Kinder sind Forscher und Entdecker

Spielerisch die Umwelt entdecken

Wir beschäftigen uns mit der Gestaltung und dem Programm von Lernorten für Kinder. In Lernorten trifft das Kind oder beispielhaft die Kursteilnehmerinnen die Welt. Lernorte sind reale Orte, die Kinder sind mittendrin, gehören dazu. Sie legen Hand an, die Welt wird zur Umwelt – Wirklichkeit.  Beide, das Kind und die Orte sind sich zugewandt (geneigt). Keiner, weder Kind noch Ort kann sich entziehen. Der Ort des Lernens hat ein Eigenleben d.h. Sinn und Zweck, Kultur und Geschichte, es menschelt. Er lehrt das Glück, das Abenteuer und die Furcht, er ist gewohnt und vertraut, fremd und unheimlich. Er ist entschleunigt und „handwarm“, damit die Kinder es begreifen können. Er ist über alle unsere Sinne  unmittelbar zugänglich. Er lehrt Aufmerksamkeit und wirkt dann intensiv, wenn er sparsam gestaltet ist. Lernorte sind fehlerfreundlich.

Da beschäftigt uns die Frage: Wie eignen sich Kinder die Welt an?

1.        Kinder sind Forscher und Entdecker. Sie erkunden von sich aus die Welt. Sie lassen darin nicht beirren,  obwohl sie auch sehr oft irren. Wer als Erwachsener häufig lehrt, behindert und stört oft mehr als er nützt.

2.       Kinder lernen in der handelnden Auseinandersetzung mit der Welt. Begreifen kommt von „Greifen“. Bevor das Abstrakte gedacht werden kann, muss das Konkrete „durchlaufen“ werden.

3.       Kinder sind dabei nicht allein Sie treten häufig in Mengen auf. Lernen hat eine soziale Komponente. Wir gehören zusammen.

4.       Jedes Kind hat seine eigene Zeit, seinen eigenen Rhythmus. Wer zu spät kommt, ist mit im „Spiel“.

5.       Kinder haben viele Sinne, sie wollen nicht nur „Sitzen und Schauen“. „Schön grün“ ist für sie kein Abenteuer.

6.       Kinder haben viele Sprachen, die wahrgenommene Welt wird ausgedrückt, angereichert mit Erregungen, Interpretationen, Meinungen.

7.       Der Umgang mit vielen kleinen Risiken macht Kinder stark für größere Risiken.

Wenn wir Orte des Lernens und der Bildung für uns ordnen ergeben sich wichtige Gliederungen.

Das Abstrakte

Ebene 5

die Schrift, die Formel

Beispiel: Texte, Pläne, Karten, Gedichte

Ebene 4

das Bild, der Ton, das gesprochene Wort, das Piktogramm

Beispiel: Bilderbuch, Verkehrsschilder, erzählte Geschichten

Ebene 3

der Film, das Vorführtheater, die Musik, die Kunst, das Evend

Beispiel: Lieder und Tänze, Schattenspiel, Sendung mit der Maus

Ebene 2

die Wirklichkeit, das Modell, das Rollenspiel,

Beispiel: Laterne, Zoo, Spielplatz, Garten, Spielzeug,

Ebene 1

die Realität, das Ding, der Ort,  die Materie, die Bewegung, die Zeit, die Energie

Beispiel:: Feuer, Wasser, Erde, Luft,

Das Konkrete

Von der Materie bis zum menschlichen Geist erstreckt sich ein weites Feld von bildenden Handlungsmöglichkeiten. Der  ursprüngliche Mensch und die Kinder neigen dazu „auf dem Teppich“ zu bleiben. Ihnen ist das Konkrete lieber als das Abstrakte. Bildende Aktivitäten sind deswegen wirksamer, wenn sie sich auf den ersten Ebenen bewegen.

Gerade jüngere Kinder haben in der konkreten Welt ein wichtiges Lernfeld. Bildungsforscher und Bildungsverantwortliche bewegen sich lieber in der „Ebene 5“ und werden den jüngeren Kindern damit wenig gerecht

Im Spannungsfeld zwischen natürlichen und künstlich geschaffenen Umwelten reduzieren sich immer mehr bei Kindern und Heranwachsenden die ’natürlichen‘ und damit elementaren Erfahrungen. Das Leben und Aufwachsen in der Stadt vermittelt den Kindern eine Fülle von Erlebniszusammenhängen, Erkenntnissen und Lernsituationen, die sonst nur schwer in dieser Konzentration und Dichte verfügbar wären, und die im Hinblick auf das spätere Erwachsenwerden wichtig und sinnvoll sind. Dennoch sollte gerade in einer Zeit, in der die ‚ökologische Krise‘ in aller Munde und Umweltkatastrophen an der Tagesordnung sind, das Thema Natur, Umgang mit Natur und natürlichen Ressourcen in der pädagogischen Praxis einen hohen Stellenwert haben..

Am Thema Natur beobachten wir bei Kindern ein verstärktes Interesse an Inhalten. Jedes Kind lernt zwar bereits in der Grundschule wie der Wasserkreislauf theoretisch funktioniert, was Pflanzen brauchen, um zu wachsen und zu gedeihen oder warum die Schatten am Abend länger sind als am Morgen, doch ausgehend von unserem Ansatz der außerschulischen offenen Kinderarbeit, wollten wir das zum Teil bereits vorhandene Wissen mit sinnlichen Erfahrungen verknüpfen, neue Erlebnisfelder erschließen, um vorhandenes Interesse zu intensivieren, bzw. Interesse zu wecken.

Im Kinderalltag angesiedelte Ereignisse und Situationen, sollten den Beteiligten die Gelegenheit geben, von sich aus aktiv zu werden, produktiv und spielerisch forschend mit dem Thema Natur umzugehen.

Die Eckpfeiler, auf denen die Gesetzmäßigkeiten aller natürlichen Zusammenhänge ruhen sind die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft. Wir wählten für unsere Aktivitäten und Programme diesen Rahmen, da die Elemente als Spielmaterial und Spielanlass immer gegenwärtig sind. Als Mittler zwischen Natur und Kultur in Erscheinung treten, die die Erfahrungslandschaft Stadt mit sinnlich erlebbaren Ereignissen anreichern.

Elemente, die zum Gegenstand der Spielprogramme genommen werden, sollten neben all dem Spaß, den sie zweifelsohne vermittelten, den Kindern auch den Aspekt aufzeigen, wie mit den Elementen umgegangen wird, wie man mit ihnen umgehen kann. Wer Wasser, Erde, Feuer als fühl- und damit wahrnehmbare Bausteine des Lebens, und somit auch der eigenen Existenz, als Kind erlebt und erfährt, der wird auch später eine andere, positive Einstellung dazu haben.

Wasser und Luft, Erde und Feuer, durch ihre Alleegegenwärtigkeit und Präsenz als Spielanlass und Spielmaterial für jeden jederzeit vorhanden, und damit auch handhabbar: Der schnell aus einem Blatt des Schreibblocks oder Schulheftes gefaltete Papierflieger, der in die Lüfte steigt und dort waghalsige Kunststücke und Loopings vollführt, das Stückchen Holz oder Rinde, das mit ein wenig Phantasie und ein paar Kunstgriffen zum Schiff, wird, das auf einer Pfütze, die im kindlichen Spiel unvermutet die Ausmaße eines Weltmeeres annimmt, aufregenden Abenteuern entgegensegelt, stehen stellvertretend für eine ganze Reihe von großen und kleinen Anlässen zum Spielen.

Spielwerkstatt Rhinozeros – Wolfgang Bort   Essen    Tel.   0174 73 54 34 7
http://www.kulturorte.de/
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Rhinozeros im Unperfekthaus
Friedrich Ebertstr.18-20 45127 Essen Mitte
www.unperfekthaus.de
 

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Über Wolfgang Bort

Mitarbeiter der Spielwerkstatt Rhinozeros betreibt im Essener Unperfekthaus eine Kinder Kultur Werkstatt
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