Anregungen und Tipps für Elterndienste in Kindereinrichtungen

Dort wo Eltern in einer Einrichtung aktiv werden, haben sie die Gelegenheit als Amateure in die Arbeit der Profis hineinzusteigen  Da gibt es einige Vorteile:

  • Eltern erfahren, dass eine Kindergruppe zu leiten, eine nicht immer einfache Sache ist. Die Achtung vor den Profis steigt oft erheblich.
  • Die Pädagogen werden unterstützt und dadurch das Programmangebot erweitern.
  • Kinder erleben mehr Vielfalt und die Erwachsene in einer besonderen Rolle

 

Elterndienst heißt: Eltern verbringen eine begrenzte Zeit in der Kindergrup­pe. Sie sind sozusagen aktive Beobbachterlnnen des Gruppenalltags ohne hauptamtliche Verantwortung, vergleichbar mit einem Informationsprakti­kum. Dadurch lernen sie den Ablauf und die Arbeitsweise der KITA-Gruppe gut kennen. Durch eine etwas gelenkte Aufgabenstellung lernen die Eltern auch den Berufsalltag der Erzieherinnen und das Leben der Gruppenkinder recht handfest kennen. Der folgende Abschnitt ist eine kleine Handreichung für Eltern. Bitte kopieren und den Eltern als vorbereitende Hilfe einige Tage vor dem Elterndienst mit geben.

 

Wenn Kinder spielen

Spielende Kinder, besonders wenn sie untereinander ohne Erwachsene spielen, werden vom Erwachsenen unabhängiger, selbständiger. Sie er­weitern ihre Fähigkeiten und Kenntnisse, sie beginnen ihre Spannungs-­ und Entspannungszustände zu regulieren.

Kinder regulieren durch Spiel ihre körperlichen Aktivitäten und üben neue und komplizierte Bewegungsabläufe. Kinder erleben sich als machtvoll, da sie sich nach „eigenen“ Regeln verhalten, wählen Spielzeit, Spielraum und Spielpartner. Sie erleben sich als „Beherrscher“ ihrer eigenen Vorgaben und Ziele und genießen die innere Grenzenlosigkeit der „Als- ob-Situation“. Spiel wird zum Handlungsfeld, wo vieles möglich ist.

Die. Spielräume sind, wie vielfach erwähnt, bereitgestellt, sie sind mit interessanten Spielmitteln angereichert. Die Kinder brauchen nur noch zu entdecken, zu experimentieren und dann „geht die Post ab“. Für solche Situationen sind die folgenden Vorschläge nicht gedacht, sondern beson­ders für die Zeiten, in denen Erwachsene zu spielerischen Aktivitäten besonders anregen möchten, aus welchen Gründe auch immer. Diese Spielvorschläge sind so zusammengestellt, dass auch und gerade jüngere Kinder sich beteiligen können, dass auch nicht pädagogisch ausge­bildete Eltern diese Spiele anregen können.

Mit Kindern spielen ist (k)ein Kinderspiel

Gerade für den unerfahrenen Elterndienst sind die folgenden Tipps recht

hilfreich:

– Wähle einige wenige Spielideen aus, und probiere sie recht bald mit den Kindern aus.

– Wähle den Spielort, möglichst einen Bereich, der nicht so störanfällig ist. Störe nicht andere Kinderaktivitäten und achte darauf, dass die Kinder nicht so leicht abgelenkt werden können.

Trommle nicht alle Kinder zusammen, beginne mit zwei oder drei Kindern, versuche auch nicht alle dazukommenden Neugierigen mithinzubeziehen.

– Nach spätestens drei Spielen, mache bitte Schluss und erhole dich ohne Kinder.

– Falls ein Spiel nicht gelingt, ist das nicht dramatisch, probiere ein Ersatzspiel aus. Es ist normal, dass anfangs nicht alles glückt. Wenn du, um des Spiels willen, zu viel disziplinieren musst, probiere ein anderes Spiel.

– Wenn dir keiner mehr zuhören will, schweige – du hast Deine „Pflicht und Schuldigkeit“ getan.

– Wenn die Kinder aus Deinen Vorschlägen und Anregungen etwas ganz anderes machen, lass sie, in aller Regel haben sie bessere (angemesse­nere) Ideen.

– Betrachte den Wunsch nach Wiederholung als Erfolg. Besonders den jüngeren Kindern geben Wiederholungen Sicherheit. Denke daran, in 4 Jahren ist es vorbei.

– Konzentriere dich auf die spielenden Kinder. Du kannst Augen, Ohren und Arme nicht überall haben und viele Dinge zugleich tun. Überlass das den Profis.

– Wenn Dein Kind mitspielt, bevorzuge oder benachteilige es nicht. Wenn es anfangs „klammert“, denke daran, dass es sich nach 1-2 Jahren von selbst löst.

– Die folgenden Spiele haben oft kein direktes Ende, wundere dich nicht und probiere aus.

Sich etwas zutrauen

Hier sind Spielideen beginnendes Selbstvertrauen zu fördern.

„Oh“

Kind 1:     Oh, hier tust mir so weh! (Zeigt auf sein Auge.)

Erw. :      Hier hast du Augentropfen.

Kind 2:    Oh, hier tut es mir so weh (…)

Erw. :      Hier hast du Armsalbe…

usw.

 

Hand malen

Eine Hand wird auf ein Papier gelegt, der Umriss nachgezeichnet, angemalt, evt. Mit Hilfe ausgeschnitten.

Variante: Andere Körperteile oder ganze Körper aufzeichnen und aus­malen.

 

Vormachen

Ein Kind:  Mich hat eine Biene gestochen!

Alle:        Wo denn?

Ein Kind:  Ins rechte Knie!

Alle:        Oh, ins rechte Knie! (Alle kratzen sich) usw., usw., die Kinder wechseln immer.

Türmchen

Mit Bauklötzen wird ein möglichst hoher Turm gebaut, jedes Kind legt nacheinander immer einen Stein auf.

Seiltanzen

Ein Seil wird auf den Boden gelegt, darauf wird balanciert.

 

Kellnern

Ein Tablett mit Gegenständen (z. B. Wasserglas, zwei Bauklötze gestapelt usw.) wird von einem Punkt zum anderen getragen.

•  Gemeinsam spielen

Besonders bei den jüngeren Kindern ist es wichtig, immer wieder das Zusammenspiel zu fördern.

 

Kitzeln

Ein Kind sitzt in der Mitte (vielleicht mit geschlossenen Augen), alle anderen haben eine Feder. Damit kitzeln sie vorsichtig das Kind. Wenn es genug hat, wählt es ein anderes Kind.

Welle

Wir stellen uns in einen Kreis. Wie im Fußballstadion reißt ein Kind die Arme hoch und nimmt sie wieder runter. Dann ist das nächste Kind an der Reihe. Wenn die Welle gut „läuft“, können auch andere Bewegungen durch den Kreis gesendet werden.

 

Bilder schenken

In der Mitte liegen einige Bilderkarten (z. B. Memorykarten. Ein Kind nimmt eine Karte aus der Mitte und schenkt sie einem anderen Kind. Es ist günstig, wenn man sich dabei ein kleines Ritual ausdenkt.

 

In den Brunnen gefallen

Ein Kind sitzt in der Mitte und ruft: „Ich bin in den Brunnen gefallen!“ Die anderen fragen: „Wie tief?“ Antwort: „10 Meter!“ Alle anderen: „Wie können wir dich wieder herausholen?“ Antwort: „Durch lautes Singen!“ .usw…

 

Tücher

Tücher (80 x 80 cm) werden von Kindern getragen, an jeder Ecke hält ein Kind das Tuch. Im so gespannten Tuch wird etwas transportiert: Ball, Luftballon, Baustein. Die Kinder können auch noch Hindernisse (z. B. eine Bank) überwinden. Wichtig dabei ist, dass nichts herunterfällt.

 

Decken krabbeln

Zwei Kinder krabbeln auf „allen Knien“ unter eine passende Decke. Ohne die Decke zu verlieren, versuchen die Kinder eine Strecke krabbelnd hinter sich zu bringen.

 

Füße

Zwei Kinder liegen „gegenüber‘ auf dem Boden, so dass sich nur die Fußsohlen berühren können. Nun versuchen sie sich zu rollen, ohne die Fußsohlen zu lösen.

 

 

•  Entdecken und gestalten

Kleine, spielerische Experimente und Produktionen machen Kinder neu­gierig auf ihre Umwelt. Sie erweitern ihren Erfahrungsspielraum.

 

Kugeln

Holz oder Glaskugeln werden in einer runden Keksdose zum Rotieren gebracht.

Kugelschlauch

Ein geriffelter Plastikschlauch (ca. 20 mm Durchmesser, gibt es in Bau­märkten) wird als Kugelbahn genutzt.

Beim Durchrollen gibt es schöne Geräusche.

 

Sammelkarten

Auf kleine Kartons werden die Umrisse verschiedenster Gegenstände original aufgezeichnet. Die dazugehörigen Gegenstände werden passend aufgelegt.

 

Sammelpaletten

In Eierpaletten werden kleine Gegenstände sortiert und gesammelt.

 

Anziehpuppe

Eine „Kinderschaufensterpuppe“ wird mit verschiedensten Kleidungsstücken an- und ausgezogen.

 

Wasser tragen

Wasser wird von einem Eimer mit kleinen Bechern in einen anderen Eimer getragen (Hindernisse aufbauen.

 

Luftballons

Einen Luftballon lange in der Luft halten, aus vielen Luftballons ein Bett bauen.

 

Filmdosen

In den Dosen kleine Gegenstände paarweise verstecken und nach Memoryregeln spielen.

– Filmdosen über ein schräges Brett rollen, mit verschiedenen Gegen­ständen füllen. Rollen sie dann anders?

– Aus Filmdosen einen Fallschirm basteln.

Strohhalm

Einen Ring mit einem Strohhalm im Mund oder Hand weitergeben.

  • Bewegen

Für Kinder ist Bewegung eine Möglichkeit der Wahrnehmung, sie „begrei­fen“. Für Kinder ist Bewegung eine Möglichkeit sich mitzuteilen: „Sprache“. Für Kinder ist Bewegung eine Möglichkeit Gedankliches zu festigen: „Gedächtnis“. Diese Fähigkeiten sind mehr ausgeprägt als bei Erwachse­nen. Dazu ist Bewegung auch noch „gesund“ im biologischen Sinne

Verwandeln

Kinder verwandeln sich in Katzen, Pinguine, Hampelmänner, Flugzeuge, Luftballons, Schlangen, Enten, Hasen usw.

 

Eisenbahn

Mit Kordel oder Klebeband werden „Schienen“ gelegt, alle Kinder laufen als Lokomotiven auf den Schienen hin und her.

 

Stäbchen

Ein Stab wird senkrecht auf den Boden gestellt. Auf ein Zeichen lässt der Erwachsene ihn los. Die Kinder müssen versuchen ihn aufzufangen, bevor er auf dem Boden liegt.

 

Vormachen

Alle Kinder machen unterschiedliche Bewegungen vor. Ein Kind geht von Kind zu Kind und macht alles nach.

 

Balancieren

Ein Bierdeckel, ein Pappteller wird vorsichtig ein Stück getragen ohne herunter zu fallen (z. B. auf dem Kopf, auf dem ausgestreckten Arm usw..

 

Sprechen

Sprechen lehren Erwachsene Sinnvollerweise dadurch, dass sie mit Kindern gemeinsam die Welt beobachten und dabei Dinge und Ereignisse richtig benennen, die Äußerungen der Kinder im Gespräch weiterführen, Sprach­spiele und rhythmisches Sprechen fordern.

 

Worte fangen

Der Erwachsene greift in die Luft und fängt ein „Tor“ und dann noch mal „Te“ – Torte … usw.: Bei-ne, Au-gen, Hand-tuch…(Die Kinder bald miteinbe­ziehen)

 

Geschichtenball

Ein dicker Ball wird weitergereicht, dazu wird eine Geschichte erzählt.

  • Reime

Es gibt viele Reime, kleine Geschichten und Fangspiele, die Kinder sehr

mögen, hier ein Reim für alle Fälle: Ilse Bilse, keiner will ’se Kam der Koch, nahm sie doch, weil sie so nach Zwiebeln roch

 

Im Essener Unperfekthaus www.unperfekthaus.de entwickelt die Spielwerkstatt Rhinozeros www.kultur-Kinder.de seit Jahren Fortbildungen und Aktivitäten im Bereich Spiel- und Kulturpädagogik.

 

Wer lesen will kann Informationen nach schauen

Blog:  https://spielpaedagogik.wordpress.com/

 

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Manchmal ist hören allein auch interessant.
Herzliche Einladung zum Plauderstündchen im Internet.
Spiele für Viele ohne Viel
Kinder Kultur Werkstatt im Unperfekthaus:
http://www.eldoradio.de/podcast/item.php?idx=3111&sel=sendung&selidx=37
Mal etwas für Ohrenmenschen

 

Bucht Kurse im Unperfekthaus Das Unperfekthaus ist ein Ort der Begegnung und Kreativität. Dort gibt es vielfältige Möglichkeiten etwas zu entdecken.
Auch Familien mit Kindern und haben reichlich Gelegenheit:
In den Monaten Mai und Juni startet eine Spielpädagogische Fortbildungsreihe für Interessierte und Teams, auch Einzelveranstaltungen sind zu buchen. Hier das Programm: http://www.unperfekthaus.de/projekte/spielwerkstatt-rhinozeros/1.%20Spielp%C3%A4d%20Fortbildung%20Unperfekthaus%202012.pdf

 

Wolfgang Bort

Kontakt; Spielwerkstatt Rhinozeros – Wolfgang Bort   Essen

www.kinder-einer-erde.de  http://www.kulturorte.de/  www.kultur-kinder.de Email: wolfgang.bort@web.de
Rhinozeros im Unperfekthaus
Friedrich Ebertstr.18-20   45127 Essen Mitte

 

 

 

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Über Wolfgang Bort

Mitarbeiter der Spielwerkstatt Rhinozeros betreibt im Essener Unperfekthaus eine Kinder Kultur Werkstatt
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