Gewalt im Spiel – Spielzeug vermeiden

Gegen Gewalt im Spiel

Was können wir gegen Gewalt im Spiel tun?

Viele finden gewalttätiges Verhalten verwerflich, aber nicht jeder hat im Alltag ein Mittel gegen Aggressionen. Manchmal stehen Erwachsene recht hilflos da, wenn Kinder sich „totschießen“ oder lustvoll Krieg spielen. Dieser Artikel will Zusammenhänge deutlich machen und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen.

1. Unsere Umwelt verführt zur Gewalt

Unsere alltägliche Umgebung regt zu aggressiven Verhaltensweisen an. Die Verführung steckt also wahrscheinlich nicht in uns, sondern sie wird vielfältig jedem von uns begegnen. Die Anregungen zur Gewalt in Situationen zu verringern, ist ein wichtiges Ziel, dies gilt für unseren unmittelbaren persönlichen Bereich genauso wie für politische, gesellschaftliche Aktivitäten.

In den Umweltbereichen Familie, Kindergarten, Schule, gilt es, Enttäuschungen zu vermeiden und mit unvermeidbaren Enttäuschungen angemessen fertig zu werden. Dies setzt voraus, dass häufige und unangemessene, starke Bestrafungen vermieden werden. Auch eine ständige Überforderung und starke Reizüberflutung produziert Misserfolge und damit Enttäuschungen.

Nicht die Anregung zur Leistung (also das Lösen interessanter Aufgaben), sondern der oft unnötige soziale Vergleich, der Wettbewerb untereinander ist ein wichtiger Anreiz zur Gewalt (z. B.Schulnoten oder Wettbewerbe). Freundliche Anerkennung und Unterstützung sind Verhaltensweisen, die auch bei Spielen und Spielregeln häufiger vorkommen sollten, sind sicher ein langfristiges Ziel. Wenn wir über den einzelnen unmittelbaren Kontakt hinaus blicken, sind gerade die wirtschaftlichen Bedingungen sehr miserabel. Anreize zur Aggression untereinander sind wieder einmal häufiger denn je.

Halten wir fest:

Enttäuschungen sind wohl nicht allein Ursache, zumindest aber eine wichtige Umweltbedingung für Gewalt im Spiel. Eine zweite Anreizbedingung erleben wir ebenso häufig:

2. Gewalt ist ansteckend!

Kinder sehen und hören alltäglich Gewalt, sie erleben gewalttätige Verhaltensweisen z. B. in den Medien, auf dem Fußballplatz, im Straßenverkehr, in der Schule, bei Erwachsenen und anderen Kindern. Wenn die Gewalttätigen dann noch erfolgreich sind oder erscheinen, werden sie für den „unbedarften Zuschauer“ ein interessantes und nachahmenswertes Vorbild. Solchen Situationen gilt es auf allen Ebenen und in allen Bereichen entgegenzutreten. Eltern und pädagogisch tätige Erwachsene sollten es sich nicht gefallen lassen, wenn Waffen als eine erfolgreiche Möglichkeit vorgestellt werden, ohne auf das Elend aufmerksam zu machen, welches sie immer mit erzeugen. Wir dürfen nicht stillhalten, wenn uns Wirtschaft, Werbung, Sport oder Politiker die Durchsetzungsfähigkeit als Ideal verkaufen wollen (jeder „Gewinner“ produziert Verlierer). Die Forderung nach der Verringerung gewalttätiger Vorbilder ist natürlich leicht gesagt, jedoch schwer eingelöst.

Hier ein fatales Beispiel. Wer hat es noch nicht erlebt:

Einige Kinder spielen vertieft und angeregt mit Pistolen Überfall, Krieg im Kinderzimmer! Hilflos steht der Erwachsene daneben und schaut zu. Die Kinder mit einer kräftigen Ohrfeige zu Bett zu schicken wäre wohl ein falscher Weg. Dann wären wir ja selbst ein erfolgreiches gewalttätiges Vorbild und die Enttäuschung der Kinder über die Spielunterbrechung ist noch zusätzlicher negativer Anreiz.

Wenn also Gewalt unter bestimmten Bedingungen ansteckend wirkt, dann gilt es, die verschiedenen Ansteckungsmöglichkeiten zu verringern. Nicht nur bei den Kindern (also erziehen), sondern auch in unserer Umwelt etwas verändern (also politisch aktiv sein).

Viele praktische Anregungen gibt uns der nächste Umweltbereich, die aggressiven Hinweisreize. Wir verstehen darunter Symbole, Reizworte, Sprüche, Waffen, Kriegsspielzeug, alle Dinge, Bilder und Worte, die ein gewalttätiges Klima schaffen. Oft spielt Gewalt im Spiel eine große Rolle, weil Spielzeug oder Spielregeln einfach die Gelegenheit dazu eröffnen. Nassspritzen macht Spaß, warum nicht; statt

einer Wassermaschinenpistole eine Blumenspritze.

Der Slogan „Kauft kein Kriegsspielzeug“ ist aus diesem Blickwinkel eine sehr wichtige Forderung. Da wir ständig heute mit aggressiven Reizen umgeben sind, die uns zur

Gewalt anregen und auffordern, müssen wir für eine umfangreiche Verminderung eintreten. Dies freiwillig in unserem persönlichen Umfeld und natürlich auch per Gesetz in unserer Gesellschaft.

Dass unsere Umwelt weniger zur Gewalt im Spiel verführen sollte, erscheint wohl recht einleuchtend und ist langfristig gesehen, anstrebenswert und wichtig. Hier und heute können wir da aber nur Teilbereiche angehen und Teilerfolge erzielen. Neben einer „verbesserten“ Umwelt, die weniger zur Gewalt anregt, gibt es auch für uns als Personen Möglichkeiten der Veränderung.

Der Mensch ist nicht des Menschen Wolf!

Viele alte Weisheiten (Auge um Auge — Zahn um Zahn, Gewinnen ist besser als Verlieren u. a.) wollen uns weismachen, dass wir Gewalt „im Blut“ haben oder eine gewalttätige Umwelt automatisch zur Gewalt anreizt. So hilflos sind wir allerdings nicht.

Wenn wir von gewaltanregenden Bedingungen in unserer Umwelt gesprochen haben,

so müssen wir bedenken, dass Anregungen und Anreize von Menschen unterschiedlich bewertet werden. Durch eine Veränderung der Bewertung von gewaltanregenden Reizen oder Enttäuschungen kann weniger Gewalt im Spiel entstehen.

Beispiel: Ärger wird durch eine Neubewertung der Ursachen vermindert, z. B. der Mitspieler hat es nicht so böse gemeint. Welche Motive ich den anderen Mitspielern zuschreibe, das bestimmt maßgeblich die Art und Stärke meiner Reaktion z. B. Vergeltung. Wenn wir beim Spiel lernen, die Dinge mit den Augen der Anderen zu sehen, dann können wir auch lernen, Gewalt im Spiel zu verringern. Denn nicht jede

Handlung eines anderen ist als Angriff gemeint. Die eigene Wahrnehmung daraufhin zu verändern, dass nicht jeder Mitspieler als Bedrohung erlebt wird, hilft da weiter.

Auf eine Besonderheit sei hingewiesen:

Viele Spiele, z. B. „Mensch ärgere Dich nicht“ eignen sich besonders gut dazu, unausgesprochene Probleme zwischen den Spielern mit einem „Scheingefecht“ auszutragen. Es geht eigentlich um persönliche Schwierigkeiten untereinander, da man sich aber nicht anders helfen will oder kann, streitet man sich symbolisch. Der große Erfolg einiger Spiele liegt wahrscheinlich bei dieser kleinen „Nebensache“.

Solche Spiele in konfliktgeladenen Situationen einzusetzen, ist ein Missbrauch manch guter Spielidee.

Die Veränderung der Bewertung von gewaltanregenden Anreizen ist allerdings nicht nur ein persönliches Problem jedes Einzelnen.

Auch in unserer Gesellschaft finden wir genügend Hinweise darauf, dass Macht, Geld, Ruhm als besonders wichtige Motive vorne angestellt werden. Dies spiegelt sich dann in vielen Spielen wieder, z.B. Puzzleweltmeisterschaften, Stadtmeisterschaften in Malefiz, Fußball in der Bundesliga, eine Meisterschaft der Amateurtheatergruppen fördern eben sowenig Gewaltlosigkeit im Spiel wie die letzten Olympischen Spiele.

Gerade die letzten Zeilen zeigen aber auch, wie eng Spielen auch mit anderen gesellschaftlichen Bedingungen verwoben ist. Nicht dass bald ein „fortschrittlicher“ Politiker auf die paradoxe Idee kommt, das beste kooperative Spiel des Jahres zu belohnen.

Für Gewaltlosigkeit eintreten

Beim ersten Blick sträubt sich mancher, wenn das Wort Moral ins Spiel kommt.

Jetzt wollen uns die Pädagogen auch noch den letzten Spaß vergelten!

Wir spielen ja nicht richtig Krieg!

Ich habe auch mit einer Pistole gespielt, und hat es mir geschadet?

Wenn Kinder ihre ersten intensiven kulturellen Erfahrungen im Spiel machen, dann ist es recht und billig, eine verantwortungslose Spielzugindustrie in eine unmoralische Ecke zu stellen.

Natürlich ist es richtig, den Spielwarenhändler ruhig einmal lautstark darauf hinzuweisen, was er manchmal seinen Kunden zumutet. Gewalttätigkeit im Spiel abzulehnen reicht natürlich nicht aus, es ist aber eine notwendige Voraussetzung. Der Einstellung gegen Gewalt muss ein großer Geltungsbereic hverschafft werden. Bagatellisieren öffnet unlauteren Rechtfertigungen Tür und Tor. Auch

wissenschaftliche Untersuchungen, die bisher noch‘ keine eindeutige Beziehung zwischen Gewalt und Spiel feststellen konnten, sind vorsichtig zu betrachten. Die Wissenschaft (Aggressionsforschung) steht erst am Anfang und wird nicht gerade mit Forschungsmitteln überhäuft.

Die bisherigen Schritte reagieren auf unsere alltäglichen gewalttätigen Erlebnisse, der letzte Schritt geht etwas weiter, er zeigt Alternativen auf.

3. Friedvoller Spielen ist lernbar!

5Kann die Gewalt im Spiel ersetzt werden? Gibt es Verhaltensweisen, denen wir den Vorzug geben, sind also Alternativen möglich? In zwei Richtungen sollten wir suchen: im Umgang mit unseren eigenen aggressiven Gefühlen (Ärger) und in der Bewältigung oder Lösung von Problemen.

Zu den Gefühlen: Ärger gehört zu den häufigsten aggressiven Stimmungen. Vor oder während eines Spieles kann er entstehen und einem das Spiel verderben.

Ärger kann ein sehr wesentlicher Auslöser von Gewalt sein. Eine Möglichkeit, mit Ärger umzugehen ist, dass man ihn nicht „pflegt“. Manche Spiele sind aber gerade so konstruiert, dass man seinen Ärger gut pflegen kann. Will man friedvoller spielen, soll man den „Mensch ärgere Dich nicht-Effekt“ aus den Spielen herauslassen.

Den lustvollen Wechsel zwischen Spannung und Entspannung sollte man gerade nicht an Ärgergefühlen gegenüber den MitspielerInnen festmachen.

Entscheide;. Ist die Tatsache, dass Aufregung zum Spiel gehört wie das

Salz zur Suppe. Bewegung, Krach, Abenteuer, Erlebnisse, die Spannung bereiten, kommen auch in den Spielen vor, die keine negativen Gefühle provozieren.

Genau diese sollten wir suchen, erfinden und mit unseren Kindern und natürlich auch mit uns selbst spielen.

Ärger kann man aber nicht so leicht aus der Welt schaffen. Für die SpielerInnen ist es wichtig, ihn nicht „herunterzuschlucken“, sondern mit solchen Gefühlen umzugehen.

Wenn ärgerliche Gefühle nicht anklingen, muss man sie zum Ausdruck bringen, sie den anderen mitteilen, in einer Form, die den anderen die Möglichkeit gibt, auch ohne Ärger zu reagieren.

Neben dem Ausdruck der Gefühle ist Gewalt aber häufiger eine Form der Bewältigung von Konflikten und Problemen. Etwas durchsetzen, beachtet werden, etwas Mächtiges abzuwehren,dies kann man auch ohne Gewalt im Spiel einüben und lernen. Zum Schluss einige Verhaltensbereiche, die es gilt ins „Spiel“ zu bringen, die also bei friedvolleren Spielen zu finden sind:  eigene Wünsche äußern, den Wünschen des anderen zuhören, Lösungen erfinden, Vorschläge machen, Kompromisse machen, Verhandeln, Verständnis entgegenbringen,  Beachtung geben und nehmen, Leistungen ermöglichen, umstimmen und versöhnen lernen, Geduld haben, den Angreifer „ins Leere laufen lassen“.

Viele dieser alternativen Verhaltensbereiche zur Gewalt können im Spiel gelernt werden. Ihnen sollten wir mehr Beachtung schenken.

Thesen

Unsere Umwelt verführt zur Gewalt.

  1. Deswegen die zu Gewalt anregenden Situationen verringern.

  2. Deswegen Enttäuschungen vermeiden und mit unvermeidbaren Enttäuschungen angemessen umgehen.

  3. Deswegen Bestrafungen und Reizüberflutungen vermeiden.

  4. Deswegen bei Leistungsanregungen den Wettbewerb (den sozialen Vergleich) nur beschränkt einsetzen.

  5. Deswegen Gewalt nicht als erfolgreiches Vorbildverhalten sichtbar werden lassen.

Deswegen Durchsetzungsfähigkeit nicht als anzustrebendes Ideal hinstellen.

Deswegen aggressive Hinweisreize verringern

Der Mensch ist nicht des Menschen Wolf

  1. Deswegen Anregungen und Anreize der anderen besser und genauer bewerten lernen.

  2. Deswegen Vergeltung nicht provozieren.

  3. Deswegen „Scheingefechte“ verringern.

  4. Deswegen Macht, Geld und Ruhm aus dem Spiel herauslassen.

Für Gewaltlosigkeit eintreten

  1. Deswegen nicht nur im persönlichen Bereich Gewaltlosigkeit bevorzugen, sondern ihr in der Gesellschaft einen größeren Geltungsbereich verschaffen.

  2. Deswegen politisch handeln.

  3. Friedvoller Spielen ist lernbar

  4. Deswegen nach alternativen Spielen suchen.

  5. Deswegen Beachtung geben und nehmen lernen.

  6. Deswegen Leistung ohne Wettbewerb ermöglichen.

Viele dieser Forderungen können durch Spiele

eingelöst werden.

Kriterien für gutes Spielzeug

1. Das wichtigste ist, dass es dem Kind Spaß macht, mit dem Spielzeug zu spielen.

2. Das Material des Spielzeuge:

Es muss haltbar sein.

Es muss sicher sein und darf das Kind nicht gefährden.

Der Preis des Spielzeugs sollte angemessen sein.

Spielzeug sollte „geschmackvoll“ aussehen, weil es auch den „Schönheitssinn“ des Kindes prägt.

4. Damit Spielzeug einem Kind Freude bereitet, sollte es:

Die Spielfunktion erfüllen, die es verspricht (z. B. sollten Bauklötze so gerade gesägt sein, dass sie auch aufeinander zustellen sind)

Dem Entwicklungs- Alter des Kindes entsprechen

Das Kind schon durch seine Gestaltung auffordern, mit dem Spielzeug zu spielen.

Etwas mit der Umwelt des Kindes zu tun haben (wie z.B. ein Kaufladen)

Die Fantasie des Kindes fördern zum schöpferischen Gestalten anregen (wie z.B. Knetmasse)

Vielseitig sein und dem Kind mehrere Spielmöglichkeiten eröffnen

Auch ohne Hilfe der Erwachsenen spielbar sein.

5 Pädagogische Ansprüche an Spielzeug:

  • Spielzeug soll das gemeinsame Spiel der Kinder unterstützen.

  • Spielzeug soll es dem Kind ermöglichen, seine Gefühle auszudrücken und die anderer Mitspieler kennenzulernen (wie z.B. im Puppenspiel).

  • Spielzeug soll, vor allem kleineren Kindern, die Gelegenheit geben, die Geschicklichkeit ihrer Hände und Füße zu üben und zu erweitern (wie z. B. Greifringe und Legepuzzles).

  • Spielzeug soll auch die geistigen Fähigkeiten eines Kindes fördern.

  • Spielzeug darf keine fragwürdigen Verhaltensweisen, Werte und Normen vermitteln oder verstärken. (Dies geschieht z.B. bei gewaltverherrlichendem Kriegsspielzeug oder bei „Barbie“-Puppen, die Mädchen eine fragwürdige Frauenrolle vermitteln!)

6. Warum wird Spielzeug gekauft?

  • Weil man Kindern damit eine Freude machen will.

  • Weil Kinder sich mit dem Spielzeug beschäftigen sollen, selbst hat man dann Zeit für anderes.

  • Weil man Interaktionen für Kinder „ritualisierten“ will, bestimmte Spiele geben Verhaltenssicherheit

  • Weil man eine beengte Umwelt mit geregelten Handlungsanweisungen wieder etwas interessanter machen will. (Die Kinder spielen brav. Die Wohnung bleibt heil.).

  • Weil man ein repräsentatives oder wirksames Geschenk braucht (z. B. Als Tante).

  • Weil Kinder durch Werbung (TV, Laden, Kataloge etc.) oder bei anderen Kindern bestimmtes Spielzeug gesehen haben und dies auch besitzen möchten.

  • Weil man Spielen aktiver und deswegen besser findet als Fernsehen.

7. Bedingungen der Spielzugherstellung

  • Spielzeug wird hergestellt, um daran Geld zu verdienen.

  • Spielzeug kann verkauft werden, weil die Menschen mehr Geld haben. Sie leben nicht am Existenzminimum.

  • Eine hohe Stückzahl ist bei industrieller Produktion nötig, erst dann kann Gewinn gemacht werden. Die Massenproduktion hat folgende Auswirkungen: a) Möglichst viele Menschen müssen das Spiel spielen können, also muss es eine breite Anwendung finden (z. B. Familienspiele). Auswirkung: Wer es vielen recht machen will, muss viele Kompromisse machen. b) Die Verpackung (Präsentation) soll in erster Linie zum Kauf anregen, sie muss viel versprechen. Auswirkung: Mehr scheinen als sein. c) Spielprinzipien (z. B. Playmobil) müssen vielfältig aufbereitet und in „Fortsetzungen“ produziert werden. Auswirkung: Serienspiele provozieren mehr festgelegte Spielsituationen. Die Vorstellungskraft wird gelenkt, oft eingeengt. c) Da die Erfindung neuer Spiele sehr teuer ist, werden die alten Spielprinzipien mit neuen Abenteuern und Namen besetzt und aufgewärmt. Auswirkung: Aufregung, Wettkampf, Gewalt wird interessant miteinander verknüpft und macht langweiliges Bekanntes wieder neu und interessant. e) Werbung ist teuer, deswegen werden Spiele im Medienverbund hergestellt, Spielzeug im Huckepack. Auswirkung: Alles, was auf Kinder interessant wirkt, wird auch zum Spielzeug umfunktioniert (Pumuckl, Momo usw.).Spiele werden dadurch festgelegt, und eine neue Idee braucht auch ein neues Spielzeug. e)Viel Geld, wenig Zeit und die werbende Massenproduktion verführen Erwachsene zu umfangreichen Spielzeugeinkäufen. Auswirkung: Die Schränke der Kinder und der Kindereinrichtungen sind voll. Eine Auswahl wird wegen der Fülle schwierig, nur die „härtesten“ werden gekauft

  • Kurzinformation Spielzeuge werden gespielt. Die „Netto-Nutzungszeit“ eines Spielzeugs wird kürzer (Wegwurfspielzeug). Das Spielzeug -stimmer auch Abbild der gesellschaftlichen Zustände. Wer diese Zustände verbessern will, muss kritisch auswählen. das Spielzeug ist nicht nur zum Spielen da. Es transportiert auch immer Meinungen, Normen, Interessen, ästhetische Prinzipien, Weltanschauungen.

8. Spiel — nur Kinderkram?

Wenn wir zusammen mit Kindern handeln oder wenn wir sie beobachten, neigen wir oft dazu, das, was sie gerade tun, als „Spielen“ zu bezeichnen. Ein Wort, was allen von uns geläufig ist und worüber wir uns oft recht einig werden: Kinder spielen. Hier einige Gedanken darüber, wie eine so enorme Beliebtheit dieser Verhaltensweisen zu erklären ist.

  • Kinder können sich selbständig und unabhängig anregen(aufregen) und beruhigen

  • Kinder erleben sich beim Spielen als mächtig über Raum, Zeit, Spielgegenstände, Regeln und oft auch bei der Wahl der Spielpartner

  • Kinder können sich selbst Aufgaben stellen und diese dann auch bewältigen, sie erleben vergnügt ihre eigene Vollkommenheit.

  • nach und nach erkennen und genießen Kinder die „Als ob“ Situation des Spiels, eine Welt, in der vieles möglich ist.

  • Und wir Erwachsenen? Natürlich gilt alles das auch für uns Erwachsene, wir nennen es mit anderen Aktivitäten wie Musik machen, Tanzen, Malen, Gestalten auch Kultur. Genauer gesagt, Kultur von jedefrau – jedermann ist die Summe aller unserer Lieder, Spiele, Tänze, Bilder, Geschichten, Kleidungen, Wohnungen und vieles mehr. Alles, was wir daran noch selber gestalten, ist unsere Kultur,

  • Spiel ist davon ein wichtiger Teil. Im Gegensatz dazu steht oft das „Schöne, Gute, Wahre“,das andere uns vormachen und in Theatern, Kaufhäusern, Kinos, Schulen und Tempeln in ansprechenden bunten und handlichen Kisten verpackt verkaufen wollen. Manches davon ist uns lieb, vieles kommt uns teuer. Wenn wir den Anteil an unserer selbstgemachten Kultur erhöhen, verringern wir den Einfluss der Mächtigen in unserer Gesellschaft. Bewusst sprechen wir nicht davon, den Kindern einige schöne, lehrreiche und anregende Stunden zu vermitteln, Vergnügen ist nicht ausschließlich etwas für Kinder!

Wolfgang Bort

Kontakt; Spielwerkstatt Rhinozeros – Wolfgang Bort   Essen  

www.kinder-einer-erde.de  

http://www.kulturorte.de/ 

www.kultur-kinder.de

Email: wolfgang.bort@web.de
Rhinozeros im Unperfekthaus
Friedrich Ebertstr.18-20   45127 Essen Mitte

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Über Wolfgang Bort

Mitarbeiter der Spielwerkstatt Rhinozeros betreibt im Essener Unperfekthaus eine Kinder Kultur Werkstatt
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