Kleines Kinder Kulturmobil

Das Falken KinderEi

in Gelsenkirchen

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Inhalt

  1. Was will das Falken KinderEi
  2. Warum der Name KinderEi
  3. Die Ziele
  4. Erfahrungen bei den Einsätzen
  5. Was ist drin im Falken KinderEi
  6. WunschEier malen

1 Was will das Falken KinderEi ?

Es fährt zu den Orten an denen sich Kinder aufhalten. Es ist ein Beispiel der niederschwelligen  offenen Kinderarbeit. Es hilft den Kindern ihre Wünsche , Interessen und Bedürfnisse zu formulieren, sich auszudrücken. Es vermittelt  Forderungen an zuständige Fachleute und Öffentlichkeit. Es informiert Kinder über Programme für Kinder. Es informiert Kinder über deren Rechte. Es hilft Kinder Angebote wahrzunehmen,  vermittelt Kontakte. Es hilft Kindern vor Ort kreativ tätig werden.

Kurzer Überblick

Die Einsätze des KinderEi fanden in Kooperation mit Partnern statt (z.B. Falkenhäusern, Kinderbeauftragter, Schulen u.a.) Der Einsatz lief bis Dezember 1999. Die letzte Veranstaltung war eine Ausstellung „Himmel auf Erden“ in der Flora in Gelsenkirchen. Die einzelnen Einsätze waren über die anderen, besonders regenarmen, Monate 1999 gleichmäßig verteilt. Es wurde darauf geachtet, daß die Einsatzorte von Kindern aus benachteiligten Wohnumfeldern gut erreichbar waren und mehrere Stadtteile  berücksichtigt wurden. Die Einsätze fanden dann statt, wenn die Kinder Zeit hatten. Kontakte zu den Medien, Verwaltung, anderen Trägern wurden wahrgenommen um die Arbeit des Falken KinderEi bekannt zu machen. Das Falken Unterbezirksbüro war Einsatzzentrale. Neben den Einsätzen direkt für Kinder gab es auch Veranstaltungen für Mitmenschen, die Kindergruppenarbeit machen oder zukünftig machen wollen.

2. Warum der Name KinderEi ?

An Name und  Logo  sollten folgende Anforderungen gestellt werden:

  1. Worte und Bilder sollten sich nicht widersprechen, auch jüngere Kinder  sollten es verstehen und wiedererkennen.
  2.  Mit dem Logo sollte man grafisch, mit Worten und mit Inhalten gut spielen können,
  3. Fernwirkung ,
  4. Vielseitig  einsetzbar ( Daumenkino, Fahne, Handzettel)
  5.  Innerhalb der Falken sollte es aber neu und eigenständig sein, nicht zu sehr mit der mit der „Tür ins Haus fallen“.
  6. Inhaltlich einen Bezug zu den Zielen herstellen und nicht zu vieldeutig, ironisch oder nichtssagend sein.

3. Die Ziele

Das Projekt Falken KinderEi will Kinder unterstützen:

  • Sich auszudrücken (Forderungen, Wünsche, Träume, Sorgen usw.) Kinder haben hundert Sprachen
  • Informiert zu sein (über Rechte, Angebote, Personen, Aktivitäten).
  • Erfolgserlebnisse zu haben (direkt aber auch mittel und langfristig)
  • Standpunkte zu entwickeln, sich über eigene Ziele klar werden.
  • Neue Perspektiven und Möglichkeiten kennenzulernen und für sich zu nutzen
  • Kreativität zu entfalten durch Spiel, Kunst, Sprache und Wort.
  • Sichtweisen und Meinungen anderer kennenlernen.
  • Mit anderen zu kooperieren lernen.
  • Nach Lösungsmöglichkeiten für die eigenen Probleme zu suchen Lösungsansätze zu finden.
  • Stark und selbstbewußt zu sein.
  • Vorurteile zu verringern
  • sich an gesellschaftlichen Entscheidungen zu beteiligen.
  • Kontakte zu knüpfen (zu  Einrichtungen , Politik, Verwaltung, Öffentlichkeit, Hilfsorganisationen usw.)

 

4. Erfahrungen bei den Einsätzen

  1. Kinder nähern sich  dem KinderEi mit großem Interesse. Sie brauchen aber eine etwas längere Zeit, sich in Ruhe zu äußern. Sie probieren aus , ernsthafte Meinungsäußerungen kommen erst nach einiger Zeit und nach „vertrauensbildenden“  Maßnahmen. Es sind oft mehrere Besuche (Einsätze) notwendig.                              Fazit: Wer von Kindern ehrliche Interessenäußerungen bekommen will, braucht  Zeit und das Vertrauen der Kinder. Mehrere  Einsätze (3x und mehr) an wenigen  Orten sind wichtiger als breit gestreute Einzelveranstaltungen.
  2. Trotz offensichtlichen  benachteiligten Lebenssituationen neigen Kinder dazu ihre Rahmenbedingungen als eher positiv zu beschreiben. Sie sind mit dem scheinbar zufrieden, was ihnen an Lebenswelt begegnet. Andererseits wollen sie alles haben , was sie kriegen können und lassen kein Abenteuer aus, sind gierig nach Anerkennung. Besonders in sprachlichen  Äußerungen werden Defizite nicht oft erkennbar.           Fazit: Kinder, die in benachteiligten  Lebenssituationen aufwachsen, sind anscheinend sehr zurückhaltend ihre Sorgen ,Befürchtungen , Bedürfnisse verbal mitzuteilen. Sie kommen nicht oft auf die Idee hier Forderungen zu formulieren.  Ohne langfristige und teure ( weil personalintensiv) Einübung in demokratische Handlungsfelder (flächendeckende offene  und verbandliche Kinderarbeit ) werden diese Menschen sprachlos bleiben.
  3. Die häufigsten ersten Worte der Kinder waren: Was kann man hier machen? Kostet das etwas? Kann man etwas gewinnen?                                              Fazit: Viele Kinder leben nach dem Prinzip: :“Geld regiert die Welt – .Hauptsache viel Action“
  4. Nur wenige Kinder kennen Angebote der Jugendverbände oder der amtlichen Jugendarbeit  Ausnahme: Veranstaltungen in der  Nähe zu einem Jugendheim oder Veranstaltungen wie“ Tag des Kindes „.)                                                   Fazit: Es gibt in Gelsenkirchen kein flächendeckendes Angebot für Kinder, die vorhandenen Einrichtungen machen  zu wenig kindgerechte Öffentlichkeitsarbeit.   Die vorhandenen Träger müßten sich und ihre Aktivitäten viel mehr vernetzen.

Hier Abb.2 einfügen

5. Was ist drin, im Falken KinderEi?

Folgende Struktur haben die Aktivitäten und Materialien:

  • Orientierung und Service ( Kinder anlocken, Kinder und interessierte Mitmenschen informieren, ins Programm einführen, Grundversorgung, Werkzeug  und Tischflächen, Gästebuch usw.  )
  • Atelier – Wir gestalten   (alles was mit gestaltende Kunst zu tun hat, was Kindern hilft sich auszudrücken)
  • SpieleEi – Wir spielen   ( Spiele und Bewegungsideen und Materialien)
  • Wir machen Theater    ( Szenen, Spiele, Materialien, Texte)
  • BücherEi   (Sachen zum Schreiben und Lesen und Texten)
  • Wir bauen    (Sachen und Ideen zum Bauen)
  • MeuterEi – Kinder wollen und wünschen  ( alles, was Kinderbedürfnisse für andere sichtbar macht)

Wenn alle beschriebenen Teile in den Anhänger eingeladen werden, ist er picke packe voll und kann nur von Spezialisten vor Ort wieder gefüllt werden.

A. Orientierung und Service

  • GlücksEi – Ein Glücksrad, das Aufgaben verteilt, Kinder anlockt und spielerisch in das Programm einführt  ( Das Glücksrad wurde recht schnell wieder ausgemustert, da es unhandlich im Aufbar war und den Eindruck einer Game- Show machte. Die Kinder hatten den Eindruck, hier kann ich etwas gewinnen.)
  • RätselEi   – Aus einer großen Kuvert werden bemalte Eier herausgezogen, die etwas mit dem Programm zu tun haben
  • Wandzeitung – Kleiner Plakatständer mit Magnetpunkten um kurz Informationen aufzuhängen , eine Seite für Kinder, die andere für Erwachsene
  • Zettelkästen  – Behälter um Flugblätter und Infos zu präsentieren
  • Sonnenschirme  – Um optisch anzulocken ( bewährt hat sich eine Tischklemme für die Sonnenschirme)
  • Tischflächen ( feste und stabile Klapptische)
  • Wasserkanister
  • Trinkbecher
  • Wäscheleinen – Um Produkte zu präsentieren
  • Museumskiste
  • Transportkisten
  • Erste Hilfe Set
  • Müllbeutel
  • Sammlung mit Buntstiften  ( Dickis in mehreren Kisten angeboten; Anspitzer nicht vergessen)
  • Kleinstwerkbank

B Atelier – wir gestalten

  • StaffelEi – mit Farbe und Pinsel und vorgefertigte Pappeier  bemalen ( das Malen war sehr beliebt und  ergebnisreich siehe Abschnitt: Malen und Gestalten)
  • SammelEi – Aus Eierkartons kleine Museen erstellen
  • StempelEi – mit Stempeln Comics und Bilder stempeln
  • WeberEi –  In ein Drahtgeflecht weben  ( Weben hat sich nur teilweise bewährt, siehe Abschnitt Malen und gestalten

C SpieleEi

  • Würfelspiel
  • Falkennest  –  Stapelspiel mit Dachlatten
  • LochEi – Geschicklichkeitsspiel
  • HammerEi – Hockey mit Holzei
  • FlugEi – Frysbee  Hindernislauf
  • RiechEi – verschiedene Riechdöschen
  • Fallschirmspiele
  • Wurfspiele mit  Eierpappen
  • RennEi  – ein Flizzi, Rollbrett
  • ( zu den Spielen gibt es ein eigenes Kapitel)

D Wir machen Theater

  • Spiegel
  • Verkleidungsmaterial
  • Kleine Szenen, Rollenspiele
  • Vorhang

E BücherEi

  • LeseEi – Bücherkiste
  • Das EI Buch  zum hineinschreiben
  • Schreibspiele

F Wir bauen

  • Bauen mit  Zeitungsröhren
  • Bausteine selber machen
  • Falkennest Stapelspiel
  • Kuller – und Kugelbahnen
  • Kartonstadt – Kartonmauern
  • ( zum Bauen gibt es ein eigenes Kapitel)

G Kinder wollen und wünschen

  • Wunsch und ÄrgerEi   –  Postkarten
  • Fragebögen
  • Wunsch und Ärgertorten
  • Briefkasten
  • ( Ergebnisse werden in der Dokumentation dargestellt)

5 WunschEier malen

WunschEier malen ist ganz einfach. Man gibt den Kindern eine Vorlage zum malen, wir würden ein kopiertes, geschwärztes Blatt Papier im Format DIN A4 geben mit einer Aussparung im Zentrum in Form eines Eies.

Vorgabe für die Kinder ist nun, die eigenen Wünsche zu malen, was sie gerne mal machen oder erleben möchten, was sie gerne haben möchten (sehr häufig!), was sie sich allgemein wünschen, was sich ändern muss.

Alternativ dazu kann man die Kinder auch sog. „ÄrgerEier“ malen lassen, in dieses Ei können sie dann schreiben, malen und krickeln, was sie stört, worüber sie sich ärgern etc.

Dann sollte man die Blätter einmal in der Mitte knicken und in den Briefkasten stecken, damit die Kinder wissen, dass ihre Wünsche gut aufgehoben sind und nicht verloren gehen. Außerdem können sie dann wirklich aus sich herausgehen, auch „private“ Wünsche äußern, ohne dass ein Kind über ihre Zeichnung lacht.

Auf den nächsten zwei Seiten sind WunschEier dokumentiert.

Ein Tag mit dem Falken KinderEi

Der erste und wichtigste Schritt, wenn man einen Einsatz unter freiem Himmel durchführen will, ist die Suche nach einem geeigneten Ort. Am besten eine Wiese oder ein Stadtpark, ein Spielplatz oder eine andere Stelle, an der sich regelmäßig Kinder treffen, an dem man vielleicht auch mit den Eltern der Kinder in Kontakt treten kann, wo es keine störenden Straßen und Verkehrsgeräusche gibt.

Zuerst einmal stellt man ein paar optisch ansprechende Schilder auf, damit die Kinder auch sehen, um was es hier geht.

Bei unseren Malaktionen haben wir verschiedene eiförmige Pappen von den Kindern bemalen lassen. Diese Pappen sollten aus stabilem Karton vor dem Einsatz gefertigt werden (mit Schere und/oder Tapetenmesser ausschneiden). Bei uns waren sie immer ein kleines Stück größer als ein Din A4-Blatt. Als Reserve kann man auch immer noch ein paar Kartons dabei haben, die kann man dann noch während des Einsatzes ausschneiden.

Wir haben immer ein paar stabile Staffeleien aufgestellt, auf denen die vorher geschnittenen großen Pappeier mit Paketband oder Tesa angeklebt wurden. Wenn die Kinder möchten, können sie auf die Rückseite ihren Namen schreiben. An den Seiten wurden kleine Metallkörbe befestigt, in die Gläser mit Farben zum malen gestellt wurden. Stellt man die Gläser einfach lose auf den Boden, werden sie meistens schnell umgeworfen. Man sollte Gläser mit dickem Glas benutzen, am besten sollte man sie auch noch verschließen können. Ehemalige Würstchen- oder Marmeladengläser eignen sich hierfür hervorragend. Sie gehen nicht so schnell kaputt, und mit dem Drehverschluß kann man sie bis zum nächsten Einsatz verschließen, dann muss man die Farbreste nicht wegkippen.

Die Gläser sollten immer mit etwa 5 cm Farbe gefüllt sein, müssen also regelmäßig auch mal nachgefüllt werden. In jeden Korb gehört auch ein Glas mit Wasser zum ausmalen der Pinsel.

Arbeitet man in einem geschlossenen Raum oder auf einem anderen Untergrund, der nicht mit Farbe beschmiert werden darf oder sollte, kann man auch eine große, wasserdichte Plane unter die Staffeleien stellen.

Was für Eier gemalt wurden, wechselte von Einsatz zu Einsatz. Drei verschiedene Arten hatten wir im Angebot.

1.) Das HimmelsEi. Man legt einen großen Spiegel auf den Boden zwischen die Staffeleien, möglichst so, daß alle Kinder ihn problemlos und ohne „Halsverrenken“ sehen können. Wenn die Kinder jetzt anfangen zu malen, sehen sie vor sich im Spiegel den Himmel über sich. Dieses Motiv sollte mit ihnen gemalt werden.

2.) Das MalEi. Hier sollte ohne vorgegebene Motivwahl einfach drauflos gemalt werden. Man sollte dabei auch mit den Kindern sprechen und sie z.B. fragen, welches Motiv sie erarbeiten möchten. Dann kann man ihnen gegebenenfalls auch beim malen helfen oder Tipps geben, wenn es nicht so klappt, wie man möchte.

3.) Das WunschEi. Dies ist das einzige Ei, das wir nicht mit Farben und Pinsel haben malen lasse, sondern mit Filzstiften auf Papier. Bei unseren Einsätzen haben wir vorher kopierte Vorlagen erstellt, auf denen ein weißes Ei auf einem schwarzen Hintergrund zu sehen war, aber das kann man sicherlich auch anders machen.

Vorgabe ist es jedenfalls, die eigenen Wünschen zu malen, was man gerne mal machen oder erleben möchte, was man gerne haben möchte (sehr häufig!), was man sich allgemein wünscht.

Alternativ dazu hatten wir dann auch noch das sog. ÄrgerEi. In dieses Ei konnten die Kinder dann schreiben, malen und krickeln, was sie wirklich stört, worüber sie sich ärgern, was sie gerne anders haben möchten.

Diese Eier sollten von den Kindern einmal in der Mitte geknickt werden, dann sollte man sie in ein Gefäß stecken, wo es die anderen Kinder nicht sehen können und niemand darüber lacht, denn davor haben die meisten Kinder am meisten Angst. Diese Hemmschwelle sollte man unbedingt abbauen.

Als Gefäß eignen sich selbstgebastelte Pappurnen, Briefkästen, ein großer Sack oder ähnliches.

Auch immer sehr beliebt (bei den Kindern weil´s Spaß macht, bei uns, weil´s nicht viel Mühe macht) war der „höchste Turm von Gelsenkirchen.“ Auf einem der Tische wurden Seiten aus einer Tageszeitung mit langen Stangen (Gardinenstangen etc.) zu Rollen aufgerollt. Aus diesen Rollen sollte dann ein möglichst hoher Turm mit Tesafilm zusammengeklebt werden.

Bei Gelegenheit haben wir dann auch mit Kartonröhren und Plastikschläuchen eine Kugelbahn für Murmeln gebaut. Wir haben die Röhren und Schläuche nach den Wünschen der Kinder zurecht geschnitten und gesägt, sie haben sie dann zusammen gesetzt und die Geheimnisse der Schwerkraft erkundet.

Voraussetzung ist ein stabiler Boden, auf einer Wiese oder unebenem Boden macht das ganze keinen Spaß. Um Stabilität in die Sache zu bringen, kann man die Bahn auch auf einem Stuhl bauen, um die Lehne herum, an den Beinen entlang etc. Immer einen Becher, Eimer o.ä. unter die Kugelbahn stellen, sonst sind die Murmeln ganz schnell weg oder jemand rutscht drauf aus.

Alle Namen und Adressen, die von den Kindern (freiwillig!) auf den Eiern etc. hinterlassen wurden, haben wir gesammelt und als Adressverteiler aufgearbeitet. Als Abschluss haben wir in der Gelsenkirchener Flora eine Ausstellung durchgeführt, bei der alle erarbeiteten Materialien gezeigt wurden und natürlich auch viel gespielt wurde.

Erlebnisberichte

  • Zuspruch der Kindern, Konzept

Bei den bisherigen Einsätzen war insgesamt, auch bei ungünstigen Wetterverhältnissen, an jedem Einsatzort ein positiver Zuspruch von Kindern zu vermerken, das bisherige Minimum war die Teilnahme von sechs Kindern, bei Großverantsaltungen waren es auch schon einmal mehr als zwanzig Kinder, die sich am malen der HimmelsEier, an der Aktion mit den WunschEiern oder auch am freien malen mit Buntstiften und Wasserfarben beteiligt haben.

Die Kinder nähern sich dem KinderEi mit großem Interesse. Sie brauchen aber eine etwas längere Zeit, sich in Ruhe zu äußern. Sie probieren aus, ernsthafte Meinungsäußerungen kommen, aber erst nach einiger Zeit und nachdem eine erste „Vertrauensbasis“ zustande gekommen ist.

Der Name „Falken KinderEi“ hat einen hohen Wiedererkennungsgrad, er ist bei Kindern positiv belegt und für sie leicht verständlich. Ein Falken KinderEi regt zu vielen kreativen Gestaltungsmöglichkeiten an und hat darüberhinaus einen Bezug zum Trägerverband.

Kinder, die in benachteiligten Lebenssituationen aufgewachsen sind, sind scheinbar zufrieden mit dem, was ihnen an Lebenswelt begegnet.

Kinder, die in benachteiligten Lebenssituationen aufgewachsen sind, sind anscheinend sehr zurückhaltend den politischen Vertretungen ihre Sorgen, bedürfnisse, Wünsche etc. verbal mitzuteilen. Selten bis gar nicht kommen sie auf die Idee, hier Forderungen zu verbalisieren´. Ohne langfristige und aufwendige Einübung in demokratische Handlungsfelder und Verhaltensweisen werden sie auch weiterhin Mißstände fast kommentarlos hinnehmen und von ihren Rechten und Möglichkeiten nur unzureichend Gebrauch machen.

Anscheinend ist unser Konzept aufgegangen: Mitmachen setzt keine mittel- oder langfristigen Verpflichtungen voraus, wenn die beteiligten Kinder genug haben und ihre Aufmerksamkeitsspanne erloschen ist, gehen sie einfach weg. Die Programme des Projektes sind deshalb auch´kurzfristig angelegt, so daß neu dazugekommene Kinder jederzeit neu miteinsteigen können.

Die bisherigen Resultate scheinen zu beweisen, daß es durchaus möglich ist, mit dier wenig „action“-betonten Art der Kinderarbeit die Kinder für mindestens eine Stunde, meistens aber für längere Zeit zu begeistern. Viele der Bilder und Bastelarbeiten sind mit viel Liebe und Sorgfalt angefertigt worden. Die Kinder hatten einfach Spaß an dem ganzen Projekt.

Gerade benachteiligte Kinder brauchen besondere, auch schon an der Nahtstelle zwischen Alltag und Nichtalltäglichem und pädagogischen Bemühungen ein personelles Angebot, daß ihnen Sicherheit und Kontakt anbietet und vorurteilsfrei die individuellen Persönlichkeiten annimmt.

Es ist nicht daran gedacht, nur durch Hüpfburgen-Aktionismus eine weitere Möglichkeit zum reizüberflutenden Austoben zu geben. Eine Kombination aus erfahrenen MitarbeiterInnen und engagierten ehrenamtlichen Mitmenschen und Praktikanten als sinnvoll.

Viele Kinder leben nach dem Prinzip „Geld regiert die Welt.“ Der Aspekt sozialistischer Kinder- und Jugendarbeit sollte mehr in der Vordergrund gestellt werden, so daß der bei Kindern vorherrschenden Eindruck evtl. teilweise revidiert wird, daß nur der „was ist“, der „was hat“

Es gibt noch lange kein flächendeckendes Angebot für Kinder, die vorhandene Einrichtungen machen zu wenig kindgerechte Öffentlichkeitsarbeit. Die vorhandenen Träger müßten sich und ihre Aktivitäten viel mehr vernetzen. Nach außen wirken die Verbände eher so, daß jeder auf seiner „Insel“ mehr oder weniger für sich allein bleibt.

5. WunschEier malen

WunschEier malen ist ganz einfach. Man gibt den Kindern eine Vorlage zum malen, wir würden ein kopiertes, geschwärztes Blatt Papier im Format DIN A4 geben mit einer Aussparung im Zentrum in Form eines Eies.

Vorgabe für die Kinder ist nun, die eigenen Wünsche zu malen, was sie gerne mal machen oder erleben möchten, was sie gerne haben möchten (sehr häufig!), was sie sich allgemein wünschen, was sich ändern muss.

Alternativ dazu kann man die Kinder auch sog. „ÄrgerEier“ malen lassen, in dieses Ei können sie dann schreiben, malen und krickeln, was sie stört, worüber sie sich ärgern etc.

Dann sollte man die Blätter einmal in der Mitte knicken und in eine selbstgebastelte Urne oder ein ähnliches Behältnis stecken, damit die Kinder wissen, dass ihre Wünsche gut aufgehoben sind und nicht verloren gehen. Außerdem können sie dann wirklich aus sich herausgehen, auch „private“ Wünsche äußern, ohne dass ein Kind über ihre Zeichnung lacht.

Ein Tag mit dem Falken KinderEi

Der erste und wichtigste Schritt, wenn man einen Einsatz unter freiem Himmel durchführen will, ist die Suche nach einem geeigneten Ort. Am besten eine Wiese oder ein Stadtpark, ein Spielplatz oder eine andere Stelle, an der sich regelmäßig Kinder treffen, an dem man vielleicht auch mit den Eltern der Kinder in Kontakt treten kann, wo es keine störenden Straßen und Verkehrsgeräusche gibt.

Zuerst einmal stellt man ein paar optisch ansprechende Schilder auf, damit die Kinder auch sehen, um was es hier geht.

Bei unseren Malaktionen haben wir verschiedene eiförmige Pappen von den Kindern bemalen lassen. Diese Pappen sollten aus stabilem Karton vor dem Einsatz gefertigt werden (mit Schere und/oder Tapetenmesser ausschneiden). Bei uns waren sie immer ein kleines Stück größer als ein Din A4-Blatt. Als Reserve kann man auch immer noch ein paar Kartons dabei haben, die kann man dann noch während des Einsatzes ausschneiden.

Wir haben immer ein paar stabile Staffeleien aufgestellt, auf denen die vorher geschnittenen großen Pappeier mit Paketband oder Tesa angeklebt wurden. Wenn die Kinder möchten, können sie auf die Rückseite ihren Namen schreiben. An den Seiten wurden kleine Metallkörbe befestigt, in die Gläser mit Farben zum malen gestellt wurden. Stellt man die Gläser einfach lose auf den Boden, werden sie meistens schnell umgeworfen. Man sollte Gläser mit dickem Glas benutzen, am besten sollte man sie auch noch verschließen können. Ehemalige Würstchen- oder Marmeladengläser eignen sich hierfür hervorragend. Sie gehen nicht so schnell kaputt, und mit dem Drehverschluß kann man sie bis zum nächsten Einsatz verschließen, dann muss man die Farbreste nicht wegkippen.

Die Gläser sollten immer mit etwa 5 cm Farbe gefüllt sein, müssen also regelmäßig auch mal nachgefüllt werden. In jeden Korb gehört auch ein Glas mit Wasser zum ausmalen der Pinsel.

Arbeitet man in einem geschlossenen Raum oder auf einem anderen Untergrund, der nicht mit Farbe beschmiert werden darf oder sollte, kann man auch eine große, wasserdichte Plane unter die Staffeleien stellen.

Was für Eier gemalt wurden, wechselte von Einsatz zu Einsatz. Drei verschiedene Arten hatten wir im Angebot.

1.) Das HimmelsEi. Man legt einen großen Spiegel auf den Boden zwischen die Staffeleien, möglichst so, daß alle Kinder ihn problemlos und ohne „Halsverrenken“ sehen können. Wenn die Kinder jetzt anfangen zu malen, sehen sie vor sich im Spiegel den Himmel über sich. Dieses Motiv sollte mit ihnen gemalt werden.

2.) Das MalEi. Hier sollte ohne vorgegebene Motivwahl einfach drauflos gemalt werden. Man sollte dabei auch mit den Kindern sprechen und sie z.B. fragen, welches Motiv sie erarbeiten möchten. Dann kann man ihnen gegebenenfalls auch beim malen helfen oder Tipps geben, wenn es nicht so klappt, wie man möchte.

3.) Das WunschEi. Dies ist das einzige Ei, das wir nicht mit Farben und Pinsel haben malen lasse, sondern mit Filzstiften auf Papier. Bei unseren Einsätzen haben wir vorher kopierte Vorlagen erstellt, auf denen ein weißes Ei auf einem schwarzen Hintergrund zu sehen war, aber das kann man sicherlich auch anders machen.

Vorgabe ist es jedenfalls, die eigenen Wünschen zu malen, was man gerne mal machen oder erleben möchte, was man gerne haben möchte (sehr häufig!), was man sich allgemein wünscht.

Alternativ dazu hatten wir dann auch noch das sog. ÄrgerEi. In dieses Ei konnten die Kinder dann schreiben, malen und krickeln, was sie wirklich stört, worüber sie sich ärgern, was sie gerne anders haben möchten.

Diese Eier sollten von den Kindern einmal in der Mitte geknickt werden, dann sollte man sie in ein Gefäß stecken, wo es die anderen Kinder nicht sehen können und niemand darüber lacht, denn davor haben die meisten Kinder am meisten Angst. Diese Hemmschwelle sollte man unbedingt abbauen.

Als Gefäß eignen sich selbstgebastelte Pappurnen, Briefkästen, ein großer Sack oder ähnliches.

Auch immer sehr beliebt (bei den Kindern weil´s Spaß macht, bei uns, weil´s nicht viel Mühe macht) war der „höchste Turm von Gelsenkirchen.“ Auf einem der Tische wurden Seiten aus einer Tageszeitung mit langen Stangen (Gardinenstangen etc.) zu Rollen aufgerollt. Aus diesen Rollen sollte dann ein möglichst hoher Turm mit Tesafilm zusammengeklebt werden.

Bei Gelegenheit haben wir dann auch mit Kartonröhren und Plastikschläuchen eine Kugelbahn für Murmeln gebaut. Wir haben die Röhren und Schläuche nach den Wünschen der Kinder zurecht geschnitten und gesägt, sie haben sie dann zusammen gesetzt und die Geheimnisse der Schwerkraft erkundet.

Voraussetzung ist ein stabiler Boden, auf einer Wiese oder unebenem Boden macht das ganze keinen Spaß. Um Stabilität in die Sache zu bringen, kann man die Bahn auch auf einem Stuhl bauen, um die Lehne herum, an den Beinen entlang etc. Immer einen Becher, Eimer o.ä. unter die Kugelbahn stellen, sonst sind die Murmeln ganz schnell weg oder jemand rutscht drauf aus.

Alle Namen und Adressen, die von den Kindern (freiwillig!) auf den Eiern etc. hinterlassen wurden, haben wir gesammelt und als Adressverteiler aufgearbeitet. Als Abschluss haben wir in der Gelsenkirchener Flora eine Ausstellung durchgeführt, bei der alle erarbeiteten Materialien gezeigt wurden und natürlich auch viel gespielt wurde.

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Über Wolfgang Bort

Mitarbeiter der Spielwerkstatt Rhinozeros betreibt im Essener Unperfekthaus eine Kinder Kultur Werkstatt
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