Orte der Kindheit – Orte für Kinder?

Wo habt Ihr Euch herumgetrieben? 

1 Der Ort – Welt – Umwelt – Raum

Der Mensch lebt in einer realen Welt. Er gehört dazu. Für sich haben die Menschen die Wirklichkeit geordnet, es entstand Physik, Biologie, Chemie und vieles mehr. Wenn Menschen gelegentlich, öfter, immer wieder, dauernd einen bestimmten Teil der realen Welt aufsuchen, können wir von einem Ort sprechen. An Orte legt der Mensch oft und gerne “Hand an”. Der freche Homo sapiens gestaltet Orte, mehr oder weniger, nach seinem Gutdünken. Meist bekommen solche Schnittpunkte von Raum, Zeit und Menschenwillen einen Namen. Solche Namen verraten oft etwas von den Absichten der beteiligten Menschen:

Kindergarten – Industriepark – Verkehrsfläche – Kaufhalle – Wartesaal – Nasszelle – Krabbelgruppe – Schaukel – Plumpsklo – Atelier – Kantine – Bühne – Stammtisch – Beichtstuhl – Liebesnest – Abstellkammer – Ruhepol – Vogelschutzgebiet – Bohrinsel, – Pferch – Sitzecke – Werkstatt – Tresor – Zelle – Kanzel – Studio – Absteige – Kaserne. Usw.

Nomen est Omen!

Sehr beliebt ist es bei den Menschen, eine “gewisse” Kontrolle über die Orte zu besitzen. “Macht euch die Orte Untertan.” Die Wahrnehmung der Orte ist bei den Menschen individuell unterschiedlich, bestimmt durch Kultur, Lebensalter, eigene Lebensgeschichte, Zufälligkeiten, momentane Befindlichkeiten und einiges mehr. Orte wirken auf Menschen anregend. Der Mensch steuert seine Erregung durch das Aufsuchen, Vermeiden verschiedener Orte oder durch die Veränderung eines Ortes. Durch aktuelles Denken zusätzlich interpretiert und beeinflusst durch Gewohnheit und Erinnerungen, entstehen im Menschen unterschiedlich getönte Erregungszustände (Gefühle. Diese Gefühle lösen in Verbindung mit Beweggründen, Bedürfnissen, Erinnerungen, erneutem Nachdenken und dem aktuellen körperlichen Zustand beim Menschen Verhaltensweisen aus. Solche verzwickten Abläufe sind bei allen Menschen vorzufinden – ob alt oder jung, dick oder dünn, groß oder klein, weiß oder schwarz. Zu bedenken ist dazu noch ein großes Maß an Zufälligkeiten und Unklarheiten, Unbekanntes oder Irrtümer. Es ist also recht keck zu behaupten, es gäbe Orte für Kinder. Sind das etwa Räume, extra für Kinder? Soll es den Kindern an diesen Orten gut ergehen? Sind Schonräume für Kinder sinnvoll? Vielleicht sind Orte für Kinder heimliche effektive pädagogische Arbeitsräume für erwachsene Lehrkörper – Lehrorte statt Lernorte? Sind das etwa Abstellräume für Kinder, gruselige Wartesäle, Fegefeuer ähnlich: – Leerorte statt Lernorte? Wer teilt Orte zu – welche Machtverhältnisse zeigen sich? Wer gestaltet Orte – welche Absichten werden sichtbar? Ist der öffentlich-rechtliche, pädagogische Raum (Schule, Spielplatz, Kindergarten usw.) weitaus mehr öffentlich-rechtlich als pädagogisch? Nähern wir uns als gestaltungskräftige Mitmenschen mit pädagogischem Hintergedanken Orten für Kinder – entstehen dort für unsere Ziele günstige Lehrorte – bestenfalls?

Orte der Kinder entstehen sehr häufig aus unseren Unzulänglichkeiten und Fehlern. Den Freiraum, der aus Irrtum, Nachlässigkeit, Geldmangel und Dummheit der gestaltenden Erwachsenen entsteht, nutzen die jungen Menschen gnadenlos aus. So werden aus Orten für Kinder in bescheidenem Ausmaß Orte der Kinder. Die Orte meiner Kindheit, die mich zutiefst betroffen gemacht haben, die nicht aus meinem Gedächtnis verschwinden, waren von den beteiligten Erwachsenen nicht so gemeint. Wir gestaltungskräftigen Erwachsenen haben nun einige Möglichkeiten aktiv zu werden:

Der erste Weg:

Aus unseren pädagogischen Zielvorstellungen heraus Räume für Kinder zu gestalten. Da gibt es die Möglichkeit, den Raum als Verbündeten zu betrachten, oft selbst Hand anzulegen. Da gibt es die Möglichkeit, sich mit den anderen beteiligten Mitmenschen zu streiten: mit Eigentümern (ein Kindergarten sieht nicht so aus wie eine Altentagesstätte), mit Juristen (Risiko gehört zum Leben der Kinder), mit Verwaltern (das Haushaltsjahr steuert nicht allein die Ausgaben), mit Architekten (teuer ist nicht immer gut), mit Handwerkern (der rechte Winkel ist nicht das Maß aller Dinge), mit Vorgesetzten (über Geschmack soll man streiten). Diese Beispiele lassen sich noch erheblich erweitern.

Da gibt es die Möglichkeit, für Kinder eigene Freiräume, Nischen bewusst mit zu bedenken, damit es für Kinder die Chance gibt, sich unserem Ansinnen leichter zu entziehen. Und es gibt die Möglichkeit, pädagogische Räume als permanente Baustelle zu betrachten. Schlüsselfertige Anlagen, die dann 20 Jahre so sein müssen, sind ein Übel.

Räume gestalten – Spielräume schaffen

Räume erziehen mit. Wie wir die Räume/Dinge um uns herum

pädagogisch sinnvoll und effektiv gestalten können darum dreht

es sich dieser Diskussionsbeitrag. Wie eignen sich Kinder die Welt an? Kinder sind Forscher und Entdecker. Sie erkunden von sich aus die Welt. Sie lassen darin nicht beirren, obwohl sie auch sehr oft irren. Wer als Erwachsener häufig lehrt, behindert und stört oft mehr als er nützt. Kinder lernen in der handelnden Auseinandersetzung mit der Welt. Begreifen kommt von „Greifen“. Bevor das Abstrakte gedacht werden kann, muss das Konkrete „durchlaufen“ werden. Kinder sind dabei nicht allein Sie treten häufig in Mengen auf. Lernen hat eine soziale Komponente. Wir gehören zusammen. Jedes Kind hat seine eigene Zeit, seinen eigenen Rhythmus. Wer zu spät kommt, ist mit im „Spiel“. Kinder haben viele Sinne, sie wollen nicht nur „Sitzen und Schauen“. „Schön grün“ ist für sie kein Abenteuer. Kinder haben viele Sprachen, die wahrgenommene Welt wird ausgedrückt, angereichert mit Erregungen, Interpretationen, Meinungen. Der Umgang mit vielen kleinen Risiken macht Kinder stark für größere Risiken.

Was kann der „pädagogische Raum“ dazu beitragen?

 Er ist ein Ort des Lernens

In pädagogischen Räumen trifft das Kind die Welt. Es sind reale Orte, die Kinder sind mittendrin, gehören dazu. Sie legen Hand an, die Welt wird zur Umwelt ( Wirklichkeit). Beide, Kind und Raum sind sich zugewandt (geneigt). Keiner, weder Kind noch Ort kann sich entziehen. Der Ort des Lernens hat ein Eigenleben d.h. Sinn und Zweck, Kultur und Geschichte, es menschelt. Er lehrt das Glück, das Abenteuer und die Furcht, er ist gewohnt und vertraut, fremd und unheimlich. Er ist langsam und handwarm“, damit die Kinder es begreifen können. Er ist über alle unsere Sinne unmittelbar zugänglich. Lebensgeschichten finden ihren Niederschlag. Der Lernort ist unverwechselbar, lässt sich auf wenig ein, ist nicht beliebig. Er lehrt Aufmerksamkeit und wirkt dann intensiv, wenn er sparsam gestaltet ist. Lernorte sind fehlerfreundlich.

Aber Achtung! Vor solchen Orten/ Dingen sollte man sich in Acht nehmen. Sie haben Hand und Fuß, ein Gedanke wird zum Ding. Dinge/ Orte formen oft „bewusstlos“. Gewohnheiten, nicht Auffälliges, also Alltägliches beeinflusst oft tiefgreifend.

Wie beschreiben wir Orte des Lernens?

Hier wollen wir nicht allein nach physikalischen Merkmalen (Höhe, Breite, Länge usw.) fragen, sondern nach psychologischen Wirkungen. Wie nehmen wir Orte / Räume wahr? Wichtig ist die Menge der Informationen, die der Ort enthält. Je mehr Informationen, je komplexer diese Reize sind, um so reiz stärker ist der. Hier folgt nun eine Liste von Eigenschaften, mit denen ein Ort beschrieben werden kann:

Reizarm

Einfach

Gleichförmig

Spärlich

Ähnlich

Gleichmäßig

Leer

Symmetrisch

Ruhig

Geordnet

reiz stark

vielfältig

abwechslungsreich

dicht

kontrastreich

lückenhaft

überfüllt

asymmetrisch

bewegt

zufällig

Neben dieser räumlichen Beschreibung ist auch eine zeitliche Komponente bei der Raumwahrnehmung wichtig – die Neuartigkeit. Einen Ort wahrzunehmen geht nicht ohne Bewegung, ohne Eigenbewegung des Wahrnehmenden. Bewegung ist aber zeitlich. So begegnet uns jeder Ort auch als Zeitraum (erdgeschichtlich, menschengeschichtlich, kulturgeschichtlich, lebensgeschichtlich, die Eigenzeit des Wahrnehmenden, die Zeit seiner Bezugspersonen usw.).

Reizarm

Gewohnt

Bekannt

Wahrscheinlich

Gewöhnlich

reiz stark

ungewohnt

neuartig

unwahrscheinlich

selten

Wenn Orte beschrieben werden sollen, kombinieren wir also Komplexität und Neuartigkeit, zusammen ergibt sich ein Reizvolumen. Wir nehmen einen ungewissen, ungewohnten Ort als reiz stärker wahr. Der Mensch gewöhnt sich nach und nach auch an sehr reiz starke Orte; sie werden mit der Zeit reiz ärmer Beispiel: Ein großer Bahnhof ist beim ersten Mal ein unüberschaubarer, mit vielen Reizen ausgefüllter Ort. Nach fünf Jahren täglicher Fahrt zur Arbeit kennt man jeden Stein, viele Gesichter sind jetzt vertraut. Kinder, die schon lange eine pädagogische Einrichtung besuchen, erleben weniger Abenteuer. Ein hohes Reizvolumen erregt den Menschen. Doch dieses Reizvolumen wird subjektiv wahrgenommen. Ein Tisch ist nicht ein Tisch, nur weil wir ihn so nennen. Doch für viele von uns ist ein Tisch ein Tisch, sonst hätte er einen anderen Namen. Die Unterschiede in der Wahrnehmung sind oft nicht so groß. Dies macht uns das gemeinsam Leben erst möglich. Es sind aber gerade die kleinen Unterschiede, die das Lernen anregen und vorantreiben. Besonders für den etwas jüngeren Menschen istder Tisch auch Berg, Bett, Höhle, Burg, Aussichtsturm ein Abenteuer sondergleichen.

Wie wirken die Orte auf Menschen?

Die Gefühle sind ein verbindendes Glied zwischen den Orten und dem menschlichen Verhalten. Bei sehr verschiedenen räumlichen Gegebenheiten führen wenige Gefühle wieder zu sehr vielfältigen Verhaltensmäßigen Reaktionen:

Erregung: bedeutet: angeregt, aktiv, überdreht, aufgeregt, wach, bewegt, angespannt, annähern, meiden, aufmerksam usw.

Nichterregung: bedeutet: ruhig, langweilig, schläfrig, entspannt, unaufmerksam, träge usw.

Lust: bedeutet: zufrieden, glücklich, sich gut fühlen, vergnügt, befriedigt usw.

Unlust: bedeutet: verärgert, unbefriedigt, melancholisch, unglücklich, sich schlecht fühlen usw.

Dominanz: bedeutet: einflussreich, unbehindert, wichtig, die Situation unter Kontrolle haben usw.

Unterwerfung: bedeutet: eingeschüchtert, gegängelt, behandelt werden, etwas tun müssen usw.

Diese drei Dimensionen stellen ein Grundmuster dar, mit dem die entstehenden Gefühle beschrieben werden können.

Ein Beispiel:

Starke Erregung und starke Unlust, verbunden mit einem Dominanzgefühl, erzeugen Wut. Verändere ich die räumliche Umwelt so, dass ein starkes Gefühl von Unterwerfung entsteht, erzeugt der Raum Angst.

Der Raum verursacht bei uns ein Gefühl, das eine Kombination

von Erregung, Lust und Dominanz ist. Diese Gefühlsreaktionen veranlassen uns, Orte zu meiden oder uns ihnen zu nähern, Verhalten zu zeigen oder es zu unterlassen.

Es spielen auch noch weitere Einflüsse eine Rolle (Gedanken, Motive, Gewohnheiten usw.). Von den drei Gefühlsdimensionen steht die Erregung in einer besonders engen Beziehung zum Ort. Je größer das Reizvolumen ( komplex, neuartig) des Ortes ist, desto höher ist die Erregung bei den Menschen.

Wenn wir einen Ort vorfinden, der nicht eindeutig lustbetont oder lustunbetont ist, werden wir ihn bei niedriger Erregung meiden, bei mäßiger Erregung aufsuchen und bei höherer Erregung meiden. Situationen, die Lust erzeugen, werden stärker aufgesucht, Situationen, die Unlust erzeugen, werden stärker gemieden.

Wenn Menschen aus verschiedenen Gründen einen Ort nicht meiden können (Schule, Wohnung, Kindergarten usw. ), dann zeigen sie oft Vermeidungsverhalten (Game Boy spielen, träumen, abkapseln usw. ).

Natürlich gibt es auch individuelle Unterschiede in der Wahrnehmungsfähigkeit.

So gibt es Menschen, die sich von der räumlichen Umwelt stärker abschirmen als andere. Nichtabschirmer erleben Orte/Räume als komplexer und reiz stärker.  Abschirmer konzentrieren sich eher auf Teilaspekte, sortieren weniger relevante Aspekte vorher aus. Nichtabschirmer sind also empfindlicher und reagieren stärker. Sie ermüden auch schneller.

Wenn es uns gelingt, Orte so zu gestalten, dass die Menschen das Reizvolumen eigenständig verändern können, haben wir einen positiven Effekt erzielt. Menschen steuern dann ihre Erregung oft so, dass sie um eine mäßige bis mittlere Erregung pendelt, mit Spitzen nach oben und ruhigeren Zeiten zur Entspannung nach unten. Dieses Pendeln um ein Erregungsmittelmaß wird von vielen Menschen als angenehm empfunden. Da wir das für jeden einzelnen Mitmenschen nicht systematisch planen und vorbereiten können, sollten wir durch unsere Raumgestaltung dem Einzelnen die Freiheit dazu geben. Als pädagogisch handelnde Menschen dürfen wir den Mittelpunkt unserer Bemühungen nicht aus den Augen verlieren – die Kinder. Kinder erleben ihre Umwelt anders als Erwachsene. Wenn ich früher mit meiner kleinen Tochter spazieren gehe (stehe), bemerkt sie andere Dinge als ich. Sie würde das, was wir da tun, auch nicht spazieren gehen nennen, sie nennt es „Taita“. Ich bin sicher, dass dieses „Taita“ etwas benennt, was ich selbst nicht mehr erleben und denken kann.

Kinder sind anders als Erwachsene. Unsere Sichtweise und Raumwahrnehmung ist in einigen Bereichen nicht vergleichbar.

Hier Thesen, die für die Gestaltung der Lernorte wichtige Folgen haben:

Kinder neigen zur handelnden Auseinandersetzung mit ihrer Umgebung. Wenn sie etwas „begreifen“, hat dies viel mit körperlicher Aktivität zu tun. Dekorative Elemente der Raumausstattung stehen für Kinder eher im Hintergrund. Bewegungsanregungen und Experimentierräume werden sehr wichtig.

Kinder sind offener, weniger festgelegt. Vieles ist für sie neuartig, unbekannt und interessant. Wahrscheinlich gibt es unter ihnen mehr leicht erregbare „Nichtabschirmer“. Kinder brauchen räumliche Gelegenheiten, ihre Erregung und Entspannung selbst zu regulieren.

Diese beiden Grundforderungen sind leicht zu formulieren. Sie werden kaum bestritten, sind pädagogische Allgemeinplätze. Die Realität in unseren Kindergärten, Tagesstätten, Schulen Spielplätzen sieht jedoch oft anders aus.

Er ist ein Ort der Bildung

Lernorte gibt es viele, Orte der Bildung sind etwas seltener. Sie haben eine bildende Ordnung. Hier wirken und gestalten Personen mit Absicht und Zielen, mit Abstand und Zeit. Ein pädagogischer Ort hat folgende Struktur:

Orte der Information:    Wahrnehmen, erleben von geordneter und gestalteter Präsentation, Sammlungen Lernspiele, usw. Bibliothek, Mediathek, Museum, Ausstellung usw., Didaktische Einheiten

Orte der Recherche: Experimentieren, entschlüsseln,untersuchen, einordnen, bewerten, werken Werkstatt, Labor, Forum, Didaktisches Projekt

Orte des Ausdrucks:

Gestalten, entdecken, spielen, sagen und schreiben, vorführen, aufzeigen usw. Atelier, Redaktion, Theater Studio usw.

Die Orte der Bildung sind Orte des Handelns! Hier kann man ohne Hast und Unterbrechung handeln. Hier werden die anderen Menschen miteinbezogen, der eigene Rhythmus, die eigenen Ziele werden mit denen, der anderen verbunden. Gemeinsamkeiten werden entdeckt, Verbündete erlebt. Wir sind nie allein und gemeinsam sind wir stark. Orte der Bildung verbinden und machen gründliches Handeln möglich. Blicken wir auf gemeinsames Handeln, dann zeigt sich sehr häufigfolgende Struktur:

Einstieg

Alle kommen nacheinander oder gleichzeitig dazu. Anforderungen an den Ort: Orientierungshilfen geben, wer früher oder pünktlich kommt, darf nicht warten, Zu spät kommen darf nicht peinlich sein, erste kurze Kontakte mit anderen möglich machen, zeigen können, wer man ist, die Umgebung kennen lernen usw..

Auftakt

Alle handeln gemeinsam, es entsteht ein eher passives Gefühl von Zusammengehörigkeit. Anforderungen an den Ort: Gemeinsame Handlungsformen ermöglichen mit Abwechslung, wenig Möglichkeiten sich zu blamieren, kurze und knappe Informationen, Möglichkeit zum Rückzug, Gelegenheit zu Kontakten usw..

Gemeinsam Handeln

Alle handeln in überschaubaren Gruppierungen mit und Anforderungen an den Ort: Unterschiedliche Angebote, Auswahlmöglichkeiten, Angebote für Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, laut und leise, bewegt und ruhig, mitmachen und zuschauen, das Miteinander fördern, Austausch fördern.

Abschluss

Alle handeln miteinander, aktives Gefühl der Zusammengehörigkeit. Anforderungen an den Ort: Gemeinsamkeiten betonen, aktiv zusammen handeln, Ergebnisse sichtbar machen, Gelegenheiten zum Ausblick.

Abschied

Alle gehen auseinander. Anforderungen an den Ort:: Gelegenheiten zum Verabschieden, viele Kontakte ermöglichen, ruhige Situationen provozieren.

Orte der Bildung haben eine positiv getönte Atmosphäre.

Gefühle, Stimmungen spielen eine große Rolle. Dieser unverwechselbare Ort ist den Menschen zugewandt, er spricht ihn an. Der Ort der Bildung hat ein Eigenleben, dass sich auf das gemeinsame Handeln bezieht, er hat eine ästhetische Qualität. Viele dieser Orte erzeugen Stimmungen. Ein gesungenes Lied klingt jeweils anders: am Lagerfeuer, in der Kirche, im Fußballstadion, auf der Opernbühne, in der Kneipe, im Studiooder in der Tropfsteinhöhle. Auch die pädagogischen Orte sind gestaltet.

Der erziehende Mensch wird zu Raumgestalter ( Haus Meister). Wichtig ist dabei die Nähe zu den Dingen, zum konkreten Ort. Beispiele: Holz riecht, Löcher müssen gebohrt werden, Pflanzen eingetopft, Leim und Farbe wird angerührt, Teig geknetet, Steine gemauert usw.. Pädagogen verlassen gelegentlich die Denkräume und begeben sich in den konkreten Alltag, legen Hand an und zeigen Geschmack.

Orte bilden auf verschiedenen Ebenen

Orte der Bildung wachsen, sie brauchen den vor- und nachdenklichen erwachsenen Menschen, der ständig Hand anlegt. Der gestalteten Wirklichkeit begegnen die Menschen mit unterschiedlicher Distanz:

Das Abstrakte

Ebene 5

die Schrift, die Formel

Beispiel: Texte, Pläne, Karten, Gedichte

Ebene 4

das Bild, der Ton, das gesprochene Wort, das Piktogramm

Beispiel: Bilderbuch, Verkehrsschilder, erzählte Geschichten

Ebene 3

der Film, das Vorführtheater, die Musik, die Kunst, das Event

Beispiel: Lieder und Tänze, Schattenspiel, Sendung mit der Maus

Ebene 2

die Wirklichkeit, das Modell, das Rollenspiel,

Beispiel: Laterne, Zoo, Spielplatz, Garten, Spielzeug,

Ebene 1

die Realität, das Ding, der Ort, die Materie, die Bewegung, die Zeit, die Energie

Beispiel:: Feuer, Wasser, Erde, Luft,

Das Konkrete

Der ursprüngliche Mensch und die Kinder neigen dazu „auf dem Teppich“ zu bleiben. Ihnen ist das Konkrete lieber als das Abstrakte. Bildende Aktivitäten sind deswegen wirksamer, wennsie sich die ersten Stufen bewegen..

Beispiel; Raumgestaltung in Kindertagesstätten Kindertagesstätten, Kindergärten sind Orte der Bildung. Auch wenn unsere Gesellschaft und deren Volksvertreter lieber die preiswertere Lösung („gute Unterbringung und Betreuung“) realisieren wollen, wird nach der Pisa Studie wieder einmal deutlich: Bildung findet nicht allein in der Schule statt. Hier einige kurze Thesen zur Raumgestaltung in Kindertagesstätten:

Räume erziehen mit, sie sind der „dritte Erzieher in der Gruppe“

Räume wirken oft über Gefühle indirekt auf das

Verhalten, sie erregen und beruhigen z.b. durch Reizüberflutung.

Kinder möchten ihre Gefühle gerne selber steuern, Räume bieten ihnen ein differenziertes Wahrnehmungs- und Handlungsfeld. Nicht nur durch Augen und Ohren.

Kinder lieben die handlungsorientierte Auseinandersetzung mit der Welt. Sie tasten, lecken und schnüffeln, probieren aus und erleben die Welt bewegt. Es besteht aber in unserer Gesellschaft die Neigung sich bewegen zu lassen.

Kinder sind Nichtabschirmer, sie sind für alles offen und lassen sich leicht ablenken.

Kinder werden in unserer Gesellschaft als nicht wichtig gesehen, deswegen billigt sie nur einen minimalen kostenarmen Raum- und Personalstandart. Wer als Fachkraft oder Eltern  mehr will muss es in die eigenen Hände nehmen.

Die Einrichtungen werden von großen Trägern verwaltet, die Einrichter und Betreiber sind pädagogische Laien, die Kinder und die PädagogInnen sitzen am kürzeren Hebel. Die recht kargen Mittel werden oft ohne ihr Zutun verbraucht.

Auch die „Pädagogen“ haben oft nicht zu verwirklichende Ideale: Hell und freundlich, natürlich ist schön, ordentlich ist nur der rechte Winkel, die Handwerker werden es schon richten, die Vorschriften sind pädagogisch sinnvoll.

Wenn wir Räume gestalten, sollten wir sie strukturierenstatt dekorieren.

Räume müssen wachsen, wir werden immer auf einer Baustelle leben.

Mit Handwerkern und Helfern müssen wir in ihrer Sprache sprechen

Der zweite Weg: Orten der Kindheit zu suchen. Vielleicht hilft die Erinnerung der eindrucksvollen Orte der Kindheit von gestern bei der Gestaltung der Orte für Kinder von morgen. In diesem Sinne ist die folgende Frageaktion zu betrachten.

Wo haben wir uns herumgetrieben?

Fragebogen: Orte der Kindheit

Bitte zurücksenden

http://www.unperfekthaus.de/projekte/kinder-kultur-werkstatt/Fragebogen%20Orte%20der%20Kindheit-1.pdf

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Ich möchte herausfinden, wo wir uns “herumgetrieben” haben.

Ich suche nach realen Orten, die wir in unserer Erinnerung als

besonders bedeutsam betrachten, die so intensiv gewirkt haben,

dass sie aus unserer Erinnerung nicht verschwinden. Es geht mir

ausdrücklich nicht um Träume, Wünsche, Tagträume, sondern um

handfeste Materialien, Formen, Gerüche, Licht, Farben etc. Oft

reichen auch nur Bruchstücke, kleine Details. Besonders

interessieren mich Erinnerungen vor dem 12. Lebensjahr.

Ich möchte den Fragebogen anonym auswerten, eine besonders

große Zahl an Rückmeldungen ist mir wichtig. Eine Person kann

auch mehrere Orte nennen, es ist allerdings notwendig, für jeden

Ort jeweils einen Fragebogen auszufüllen. Auf Wunsch sende ich

Einzelpersonen und Gruppen gerne noch Kopien zu. Schon jetzt

viel Spaß an den Erinnerungen und herzlichen Dank für die

Mitarbeit.

s

Spielwerkstatt Rhinozeros – Wolfgang Bort   Essen  

www.kinder-einer-erde.de  

http://www.kulturorte.de/ 

www.kultur-kinder.de

Email: wolfgang.bort@web.de
Rhinozeros im Unperfekthaus
Friedrich Ebertstr.18-20   45127 Essen Mitte

http://www.youtube.com/user/Rhinocanal/about

 

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Über Wolfgang Bort

Mitarbeiter der Spielwerkstatt Rhinozeros betreibt im Essener Unperfekthaus eine Kinder Kultur Werkstatt
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