Figurenspiel – eine kleine Einführung

Ideen zu einem Festivaltag

Was ist Puppenspiel?

Neuerdings wird Puppenspiel oft Figurentheater genannt. Es ist der Versuch, sich begrifflich und inhaltlich von) Kasperspiel etwas abzusetzen. Figuren sind Gegenstände, die, von Menschen geführt, „lebendig“ werden. Das Spiel mit Figuren (z. B. Puppen) fordert und fördert die Gruppe in einer etwas anderen Form als beim personalen Spiel (Theater). Es kommen vielfältige gestalterische und technische Aspekte hinzu. Auch werden Geschichten spielbar zu denen Menschen als  Rollenträger nicht fähig wären. Dazu ist der unmittelbare, Zuschauerkontakt nicht immer vorhanden, man spielt aus den) „Verborgenen“.

Ängstliche haben es hier manchmal leichter, ins Spiel zu kommen.

Die Puppen werden zu Stellvertretern der Spielgruppe sie lachen, tanzen, fliegen und pfeifen für Spieler. Die Puppe ist aber kein Abbild einer Person, sie spiegelt nicht, sie ist eine künstlich konstruierte Gestalt. Ihr Charakter steht fest, „er ist ihr ins Gesicht geschrieben“. Dadurch kann sie ungestraft vieles, was eine Person nicht spielen könnte. Puppen sind nicht Wirklichkeit, sondern erstarrte Träume, Gedanken, Ängste und Wünsche. Puppen sind künstlich, nicht natürlich. Puppenspiel fasziniert besonders, wenn die Figur „lebendig“ wird, wenn der Zuschauer vergisst, dass ein Puppenspieler sie führt.

 

Welche Figuren sind geeignet?

Die Puppen müssen leicht sein, z. B. keine Figuren mit schweren Holzköpfen verwenden.

Komplizierte Marionetten sind durch schwierige Handhabung nicht geeignet.

Einfache Hand oder Stabpuppen (auch selbst gemalte Flachpuppen am Stab) sind geeignet der

einfache Umgang regt zum Ausprobieren an. Die Spieler sollten sich mit den Puppen annähernd identifizieren können. Selbst gebaute Puppen der Kinder erhöhen ebenfalls den Spielreiz. Figuren können z. B. aus „Müll“ (Schachteln, Konserven, Umverpackungen jeglicher Art, Becher usw.) oder Naturmaterialien (Äste, Stroh, Blätter, Steine u. ä.) hergestellt werden. Ebenfalls geeignet sind Haushaltsgegenstände  (Kochlöffel, Handfeger, Gießkanne, Staubsaugerschlauch mit Düse, Klobürste, Suppenlöffel, Töpfe usw.) Diese gebastelten Figuren können bemalt oder beklebt werden (z. B. mit Stoff, Wolle, Federn, Korken, Styroporkugeln usw.) Schließlich wird ein Führungsstab an der Puppe befestigt. Puppen  aus Stoff sind außerdem  leicht herzustellen

Die Bühne

Wer die Spieler bei den ersten Spielversuchen in enge Bühnen steckt, riskiert dabei, dass sie sich bald „genervt“ abwenden. Fast alles kann Puppenbühne sein: ‑umgedrehte Tische und Stühle ‑ Laken an einer Wäscheleine, die quer durch den Raum gespannt ist ‑ Raumteiler ‑

Diese Bühnenkonstruktion hat den Vorteil, von allen Seiten frei begehbar zu sein. Geplantes Mitspieltheater (z. B. Spielen vor der gesamten Bühne) und ein schneller Spielerinnen Wechsel ist unproblematisch möglich.

Außerdem bietet die „gestaffelte Bühne“ die Möglichkeit, Bilder o. ä. an der jeweils höheren Ebene anzubringen. Diese Bühne wird dem Platzanspruch der Spieler gerecht und ist außerdem eine Herausforderung für handwerklich interessierte BetreuerInnen

 

Spielerische Übungen ohne und mit Figuren

Die Spielgruppe sollte vor dem eigentlichen Figurenspiel durch einfache Übungen in „Spiellaune“ versetzt werden. Diese Übungen sind vor jeder Probe zu empfehlen, kleine „Spielreisen“ können die Spielgruppe auf wesentliche Bewegungsabläufe im Puppenspiel vorbereiten. Hinter der Bühne wird die Körperhaltung oft gewechselt. Mal wird auf Knien oder in der Hocke gespielt, in einer anderen Situation müssen für längere Zeit die Arme hoch gehalten werden, immer ist die gute Beweglichkeit der Hände gefragt.

 

 

Spielgeschichten

„Bei einem Spaziergang durch einen dichten Wald geht es an einer Stelle plötzlich nicht mehr weiter. Da entdeckt ein Spieler einen kleinen Erdtunnel, durch den alle durchkriechen (~ Hochstellung. Nach dem alle heraus gekrochen sind, stehen sie vor riesigen Bäumen an denen lange Lianen hängen. Ob man sie ein Stück hinauf klettern kann? (Handmuskulatur und Bein) Auf einer Waldlichtung entdecken wir große, runde, moosbewachsene Steine. Es macht Spaß, mit beiden Händen übers Moos zu streichen (Finger‑ und Handmuskulatur).

Diese Geschichte ist weiter fortzusetzen. Wichtig ist nur, dass Bewegungselemente des Puppenspiels vorkommen.

Bemalte Hände

Eine andere Möglichkeit, die Spieler für das Spiel zu begeistern, sind bemalte Hände. Gute Wasserschminke oder Fingerfarben eignen sich hierfür besonders. Sind alle Hände bemalt, kann es losgehen. Alle sitzen im Kreis, in der Mitte steht ein umgedrehter Tisch oder Stuhl. Ein Spieler geht mit der bemalten Hand/den bemalten Händen zur „Bühne“ in die Mitte und beginnt, mit den Händen eine kurze Szene zu spielen (mit oder ohne Sprache, sollte vorher vereinbart werden!). Spieler, die sich dieser Szene mit ihren Händen anschließen wollen, kommen dazu und spielen mit (maximal 4‑5 Personen in der Kreismitte) wer plötzlich nicht weiter weis, geht zurück auf den Platz.

Spiele mit Gegenständen

Eine neue Szene mit anderen ist möglich. Mit Puppen und Gegenständen des Gruppenraumes ist dieses Prinzip ebenfalls spielbar (Gegenstände des Raumes können sein: Blumenvase, Gießkanne, Lineal, Schwamm usw.. Während die neuen Spieler in dieser Situation noch nicht direkt publikumsorientiert spielen, d. h. die Puppe ist nicht in erster Linie den Zuschauenden zugewandt, wäre danach der nächste Schritt, das von dem Spieler abgewandte Figurenspiel hinter einer „Bühne“ (Laken, umgedrehter Tisch etc.) zu erproben. Dieser Schritt ist für Spieler schwierig, da ihre Person hinter die Puppe tritt.

Das Stück

Stückideen für die Spielgruppe gibt es aus dem direkten Umfeld der Gruppe in Hülle und Fülle. Es ist aus diesem Grunde nicht notwendig, Textbücher zu verteilen. Einen Text zu lernen und dabei noch eine Puppe führen, ist für die meisten eine Überforderung.

Oft bieten sich Bücher (Bilderbücher) als Vorlage an. Aber auch erzählte Geschichten können Grundlage für ein Stück sein. Phantastische Geschichten werden von der Spielleitung begonnen und von den Spielern weitererzählt. Das können zum Teil selbst erlebte Geschichten (z. B. Urlaub, Ausflug u. ä.) sein.

Die entstandene Szene, entstandene Geschichte wird nach Fertigstellung an einer Bilderwand festgehalten. jedes Bild enthält eine Szene. Die Spieler können so beim späteren Spiel jederzeit die Abfolge des Stückes „ablesen“ (als gemaltes Szenenbilderbuch ist dies ebenfalls möglich!). Bei dem entstandenen Stück muss die Spielleitung darauf achten, dass ein Spannungsbogen existiert. Wer spielt was, wo, zu welcher Zeit? Wie viel Figuren sind möglich? Gibt es einen Höhepunkt/einen nachvollziehbaren Abschluss des Stückes? All das sind Fragen, die berücksichtigt werden müssen. Die Länge des fertigen Stückes sollte eine 30minütige Spielzeit nicht überschreiten.

Ist das Stück fertig und sind die einzelnen Rollen verteilt, ist zu häufiges Proben vor dem Auftritt nicht zu empfehlen.

Ein Blick hinter die Kulisse

Genauso wichtig wie die Puppenführung ist der geordnete Bühnenraum. Hinter dem „Vorhang“ muss alles genau seinen Platz haben. Das gilt nicht nur für die Puppen, auch Requisiten, die zwischendurch auftauchen (z. B. Wolke am Stab) haben ihren festen Platz. Dieser Platz darf die spielenden TeilnehmerInnen nicht behindern. Puppen und Requisiten können z. B. an Haken aufgehängt oder in umgedrehten Wasserkästen abgestellt werden. Der überschaubare Raum hinter der Bühne erleichtert das Spiel wesentlich.

 

 

Szenische Ideen

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Über Wolfgang Bort

Mitarbeiter der Spielwerkstatt Rhinozeros betreibt im Essener Unperfekthaus eine Kinder Kultur Werkstatt
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