Freizeitumwelt gestalten – Räume in der Sozialpädagogik

Die Sozialpädagogik beschäftigt sich mit den Stärken der Menschen, die in Gruppen leben und handeln. In der Sprache der Verwaltung heißt das Jugendförderung, im Gegensatz zur Jugendhilfe, das Feld der Sozialarbeit. So ist Teilung in den 60ziger Jahren entstanden  und sie hat sich immer mehr aus differenziert. So gibt es heute ein buntes Feld der Bindestrich Pädagogik und von der psychologischen Seite winkt die Bindestrich Therapie.

Die Schule hat sich schon seit ihrem Beginn in Fächern aufgeteilt. Als freiberuflicher Sozialpädagoge, mit einem Schwerpunkt „Raumgestaltung“, ist es nicht immer leicht in allen Praxisfeldern die Bildungs-, Erziehungs- und Lernziele der aktiven PädagogenInnen  zu verstehen und sich über den „passenden, also hilfreichen“ Raum Gedanken zu machen. Die Gestaltung des Raumangebotes (drinnen wie draußen) ist für den Ablauf einer Ferienfreizeit, in Jugendzentren, im Offenen Ganztag  oder bei „Stadtranderholungen“ von großer Bedeutung. Sozialpädagogisches Handeln hat die Freiwilligkeit im Blick. Die Gestaltung der Freizeitorte unterstützen oder behindern die Aktivitäten der Freizeitleitungen oft mehr als man denkt. Grundsätzlich gibt es zwei unterschiedliche Wege Freizeitorte zu gestalten:

·        Orte, die beleben , durch zusätzliche Anregungen die Lernumwelt erweitern.

·        Orte, die beruhigen, durch Reizreduzierung entspannen und die Lernumwelt zu konzentrieren.

Beide Möglichkeiten erfordern unterschiedliche Aktivitäten, die je nach Bedarf , Situation und Zielen von den Freizeitleitungen verwirklicht werden sollten. Hier einige Beispiele:

1 Umweltveränderungen, die beleben und anregen

Bereichern: Kreativinseln, Freizeitbücherei, Kerzenbeleuchtung oder anderes Licht, Musik, Radio, Ausstellungen von Ergebnissen, Ausflüge , Gäste, Spiegel usw..

Erweitern: Umgebung nutzen, andere Menschen und Gewohnheiten näher bringen, Spezialisten, Künstler einladen, mehr Programmauswahl ermöglichen usw..

Neugestalten: Raumanordnungen und Raumnutzungen verändern oder flexibler gestalten, Sitzgelegenheiten verändern, Ablage- und Lagermöglichkeiten erweitern, andere Zeiteinteilungen probieren, Raumteiler

2 Umweltveränderungen, die beruhigen und entspannen

Reize verringern: weniger Licht, weniger Töne, weniger bunt, weiche Böden, nur etwas, was wirklich gebraucht wird ist, direkt greifbar, Möglichkeiten einschränken, Ruhezeiten einrichten, Schuhe ausziehen, nicht zu viel auf einmal anbieten,

begrenzen: Räume sind zeitlich begrenzt und haben bestimmte Funktionen, wenig „Mehrzweckräume“, nicht benutzte Gegenstände entfernen, überflüssige Informationen entfernen, Zahl der Kinder bei bestimmten Aktivitäten begrenzen, Geräusche und Töne nicht elektronisch verstärken, keine Hintergrundmusik, Materialien, Geräte Werkzeuge zeitlich begrenzt einsetzen.

vereinfachen: Selbstbedienung sehr fördern, alle Regeln überprüfen und vereinfachen, Regeln so deutlich machen, dass alle sie verstehen , jede® kann alles gut erreichen, Geräte mit anschaulichen Bedienungsanleitungen versehen, deutlich schreiben, Piktogramme häufig verwenden, durch Schrift oder Symbole Gegenstände bezeichnen.

systematisieren:bestimmte Menschen haben bestimmte Aufgaben,  Reihenfolgen festlegen, Arbeitsmaterialien, Werkzeuge, Informationen ständig ordnen, aufräumen, Routineaufgaben gleichmäßig verteilen, Ereignisse und Ergebnisse sichtbar machen, Wegweiser.

Vorausplanen:  Unfallsituationen, Gerätebedienungen, Reaktionen auf Gefahren einüben, wichtige Daten und Zeiten ankündigen, wichtige Anschriften offen aushängen, Regeln von außen (z.B. Badeverbot) bewusst machen, Orientierung erleichtern, „Sprechstunden“ einrichten,

Zeiteinteilungen individualisieren: Rückzugsmöglichkeiten schaffen, Wartezeiten ausmerzen, alle Räume immer nutzen, Kopfhörer, usw.

Inseln

Hier können die Kinder die gesamte Zeit etwas erleben, einige gut vorbereitete Lern- und Freizeitorte geben Kindern die Möglichkeit frei zu wählen. Oft bestimmen  sie die Verweildauer beim Angebot selbst. Häufig sind es Geräte oder Informationszusammenstellungen, die im Vorfeld schon komplett erstellt werden können, manche der Angebote brauchen eine Betreuung, andere wirken durch sich selbst ohne Anleitung. Der Arbeitsaufwand liegt oft in der Vorbereitung. Bei der Platzierung der Angebote ist darauf zu achten, dass Störungen vermieden werden. Kleine, begrenzte, überschaubare Freiräume werden von den Kindern oft als sehr angenehm erlebt. Die folgende Aufzählung ist sehr stichpunktartig und knapp gehalten.

Inseln der Ruhe

Geschichtenzelt

Ein Partyzelt wird mit zusätzlichen Tüchern und Decken optisch und akustisch von Außenreizen etwas abgeschirmt ist der Mittelpunkt  des Geschichtenzeltes. Im Innenraum kann durch batteriebetriebene  Beleuchtung eine geheimnisvolle Atmosphäre erzeugt werden. Die Kinder können selbst aus vorhandenen Bücherkisten wählen. Es kann auch von einer Freizeitleitung vorgelesen werden.

Bilderbuchkino

Von einer ähnlichen Absicht (gute Kinderliteratur vorzustellen) ist diese nächste Aktion: Mit einer Markrolinse werden mit ein guten Kamera Dias aus Kinderbüchern fotografiert. Diese werden dann wie ein Diavortrag mit einer geübten Stimme vorgetragen und vorgelesen. Das Bilderbuchkino ist weniger störungsanfällig und kann auch etwas mehr Gäste vertragen als das Geschichtenzelt, dies ist dafür geheimnisvoller und etwas besonderes.

Höhlen

Aus Decken, Planen Zeltteilen alten Tischen können sich Kinder selbst Höhlen bauen. An bestimmten Punkten sollten Haken oder andere Aufhängevorrichtungen angebracht werden, auch für Sonnensegel.

Inseln der Bewegung

Bewegungsbaustelle

Die Bewegungsbaustelle ist ein situatives Bewegungsangebot für Kinder. Es werden Materialien bereit gestellt, die  Kinder zu vielfältigen Bewegungsaktivitäten anregen. Die Kinder suchen sich aus dem vorhandenen Material die Dinge heraus, die ihrem Interesse und ihren Fähigkeiten entsprechen. Die Aufgabe der Freizeitleitungen ist das Bewegungsmaterial zu arrangieren und den Rahmen zu gewährleisten. Die Bewegungsbaustelle ist dann sehr sinnvoll einsetzbar, wenn viele jüngere Kinder (4 bis 8) erwartet werden.

Zur Bewegungsbaustelle gehören:

Große Styroporbausteine

Styroporklötze (ca. 50x5ox8o cm und 50x50x60) , diese können aus mehreren Lagen Styroporplatten zusammengeklebt werden oder aus Verpackungskisten für besonders schwere Gegenstände (Metallteile, Zierfische, etc., Achtung: Hohlräume auffüllen) hergestellt werden. Jede Seite des Bausteins wird danach mit Teppichresten beklebt. Zum Schluss werden alle Kanten mit Gewebeklebeband ( 5 cm ! Gaffa Band) ab geklebt.

Drainagerohre

Die Rohre sollten 2-3 m lang sein, evtl. mit dazugehörigen Muffen zusammen steckbar. Die scharfen Kanten werden glatt gefeilt und mit Isolierband ab geklebt. Durch das Rohr können Tennisbälle rollen, besser sind Bocciakugeln aus Plastik.

Schläuche

Alte LKW oder Landmaschinenschläuche sind die Besten für diese Zwecke, sie sind allerdings sehr selten geworden. Das lange Ventil muss herausgeschnitten und ein Ballventil auf das entstandene Loch vulkanisiert werden.

Die Grundausstattung einer Bewegungsbaustelle:

2 Kletterständer – 5 kleine Balancierbänke – 10-20 Große Styroporbausteine – 5 große Reifenschläuche 5-6 kleine Matratzen oder Matten – 5-6 Decken – 4 Drainagerohre und 3o Kugeln und Bälle – 2 Trampolins – kurze Holzbalken ( ca. 1-1,50 m ) kleine Holzleiter und vieles mehr.

Hinkeln

Ein Spiel, das früher bei Kindern sehr beliebt war. Es wurden viele Varianten und Spielpläne selbst gestaltet. Hier eine der Urformen des  Hinkelspiels:

Himmel und Hölle

Die Kinder hüpfen  die Felder 1 – 3 auf einen Bein, dann mit beiden Beinen in 4 und 5, ausruhen. Auf einem Bein in 6,7,8, mit einem Drehsprung auf beide Füße in 9 und dann rückwärts auf einen Bein in 10-12. Wer eine Linie berührt, beginnt wieder bei 1. Fortgeschrittene treiben dabei noch einen kleinen Stein mit dem Fuß.

Bierkästen

Mit Bierkästen können viele Bewegungsspiele angeregt werden: einen hohen Turm bauen, sie könne als Stelzen genutzt werden (wie Dosenlauf), zwei Bierkästen dienen als “Steine mit denen man trockenen Fußes einen  Bach durchquert“, einige gestapelte Bierkästen über eine Hindernisstrecke tragen.

Klettern

Durch Klettern können Kinder viele Fähigkeiten erproben. Klettermöglichkeiten sollten in jedem Freizeitort vorhanden sein.

Kletterbäume

Als Kletterbäume sind reichlich bezweigte  Hartholzbäume geeignet, falls nicht vorhanden, abgeholzte Exemplare aufstellen. Kletterbäume können durch Seile, Leitern, Netze, Schaukeln, Hochsitze Baumhäuser erweitert und ergänzt werden. Achtung , ein Fallschutz aus Rindenmulch ist manchmal angebracht.

Klettergerüste

Vorhandene Gerüste erweitern und ergänzen, auf Sicherheitsvorschriften achten.

Kletternetze

Geschickt und sicher verspannte Seile bringen Gelegenheit zu klettern.

Kletterhütte

Aus vielen Stabilen Ästen wird mit Seilen verbunden ein zeltähnliches Gerüst gebaut.

Inseln der Orientierung

Denkmale

Denkmale, eine Möglichkeit zum Nachdenken, Staunen und Spielen anzuregen. Sie zeigen, womit Kinder sich beschäftigen, was ihnen  begegnet, womit  sie sich auseinandersetzen. Neben der Aufgabe der Information haben die Denkmale auch die Aufgabe, kreative Pausen zu begleiten oder Wartezeiten zu überbrücken.

Kistenmuseum

Kleine Holzkisten (Gemüse- oder Teekisten o.ä.) werden von Kindern zu bestimmten Themen gestaltet, die kleinen Kunstwerke werden gesammelt und ansprechend zu einem kleinen Museum arrangiert. Neben der schon fertigen Ausstellung können vor Ort weitere Kisten hergestellt werden, anregende Materialien und Kisten stehen bereit. Werkarbeiten sollten grundsätzlich immer stehend durchgeführt  werden. Abdeckungen für die Arbeitstische und Abfallbehälter sollten bereitgestellt werden. Je passender und anregender das Gestaltungsmaterial präsentiert wird, um so leichter werden die Kinder diese Möglichkeit aufgreifen.

Post

Im Mittelpunkt dieser Aktivität steht ein Briefkasten (möglichst ein Original). Um den Briefkasten sind  Tische angeordnet, dort kann man „Briefe“ schreiben. Es gibt eine Reihe von vor strukturierten Briefbogen, auf denen gemalt, geschrieben, gezeichnet oder geklebt wird, natürlich sind auch offene Formen der Äußerung möglich. Eine Anregung wäre es, Bildpostkarten zu erstellen: „Eine Ansichtskarte aus dem Wohnviertel, einen Blick in einen Wunschkinderspielplatz u.s.w.. Das Ziel ist es möglichst viel „Post“ zu bekommen. Die Ergebnisse kann man dokumentieren und auswerten und den Kindern wieder zugänglich zu machen.

Wunschbaum

Wenn viele Kinder kommen, sollte es einige Möglichkeiten geben, Meinungen zu äußern. Besonders im Eingangs – Ausgangsbereich und in der Nähe von Ruheinseln sind Meinungsäußerungen am richtigen Platz. Es gibt zwei Möglichkeiten  wie die Kinder ihre Meinung äußern können : sichtbar und öffentlich oder geheim und anonym. Besonders die sichtbaren Meinungsäußerungen sollten überwiegen, andere Menschen werden dazu bewegt, ihren Teil hinzugeben, ihrerseits ihre Meinung zu äußern.

Spiegel

Der Spiegel ist ein interessantes Wandspielzeug, es gibt Zerrspiegel, Spiegel  über Eck angebracht, Spiegelpyramiden, Zauberspiegel usw.

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Über Wolfgang Bort

Mitarbeiter der Spielwerkstatt Rhinozeros betreibt im Essener Unperfekthaus eine Kinder Kultur Werkstatt
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