Was soll aus mir nur werden? Ideen und Angebote zur Förderung der Berufskompetenz

Netzwerk zur Stärkung der Berufswahlkompetenz
Berufe spielerisch erfahren

Ausgangslage:

  1. Der gemeine Lehrkörper an allgemein bildenden Schulen und Sonderschulen besitzt keine Berufswahlkompetenz, er hat keine genaueren Vorstellungen und Erfahrungen mit dem Berufsalltag in den verschiedensten Betrieben und Gewerken. Er muss gebildet werden, allerdings interessiert er sich wahrscheinlich nicht dafür. Sein Lebenshorizont besteht aus Schule – Uni – Schule. Es bedarf origineller und kurzweiliger Bildungsangebote für Lehrpersonal (Z.B gut vorbereitete Betriebsbesichtigungen, Lehrgänge um methodische Fertigkeiten in den vorgestalteten Programmen und Projekten durchführen zu können usw.) Zu überlegen wäre, dass ein nicht staatlicher Veranstalter (KID Club, Spielwerkstatt Rhinozeros) diese Berufsorientierungsprojekte für die Schulen durchführen könnte. Diese Aktivitäten werden dann durch die Wirtschaft finanziert.
  2. Vordringlich ist die Stärkung der Berufswahlkompetenz auszurichten an den Schülerkreis, der nach der Sek. 1 in den Berufsalltag eintritt. Auch dieser Kreis hat keine genaueren Vorstellungen und Erfahrungen mit dem Berufsalltag in den verschiedensten Betrieben und Gewerken, auch die Schüler haben kein Interesse am Berufsalltag, auch nicht (spätestens ab den Klassen 7 bis 10) am schulischen Lernen.
  3. Es bedarf also ungewöhnliche und besonders motivierende Aktivitäten. Diese sollten handlungs- und projektorientiert sein und mit einem hergestellten Produkt oder einer Dienstleistung enden. Im Anspruch sollten die angebotenen Aktivitäten niederschwellig sein, also von vielen Schülern leistbar. Die Lernangebote sollten eine große Breitenwirkung haben, anfangs kann man mit Uninteresse auf beiden Seiten des pädagogischen Prozesses rechnen. Ein erheblicher Teil des Lernens sollte in den Berufsfeldern und nicht in der Schule stattfinden. In jedem Schuljahr sollte eine Veranstaltung stattfinden. Es ist damit zurechnen, dass kaum ein Schüler einmal im Jahr an ein er solchen Berufsorientierungsaktivität in voller Länge teilnimmt.
  4. Die Spielwerkstatt Rhinozeros kann Fortbildungen und Vertiefung der Projekte übernehmen, sie könnte auch die Projekte in Kooperation mit der jeweiligen Schule durchführen.
  5. Diese  gesamte Aktivität braucht einen Namen und ein Logo, das auch die angesprochenen Jugendlichen und nicht nur die Wirtschaft und die Lehrkörperver- und Bildungswaltung verstehen. Blödes Beispiel: „Job on the pop“

Beispiele für die Jahrgangsstufen 5 und 6 (Orientierungsstufe):

Ausgeprägte Neugierde und Kreativität der Kinder nutzen

Guckkisten Berufsmuseum

  1. Tag:  Kurze Einführung in der Schule, anschließend Betriebsführung und Hospitation in ausgewählten Betrieben
  2. Tag: Hospitation in ausgewählten Betrieben in Kleingruppen
  3. Tag: Herstellung einer Guckkiste über den Betrieb in den Kleingruppen (Schaufenster) im Kunstraum der Schule mit gemeinsamer Präsentation der Ausstellung

Heinzelmännchen Theaterprojekt

  1. Tag Nach einer offenen Stückvorlagenstruktur werden Szenen erarbeitet, die mit bestimmten Berufswelten zu tun haben. Nachmittags werden die gezielten Beobachtungsaufgaben in bestimmten Berufsfeldern überprüft.
  2. Tag Nach einer offenen Stückvorlagenstruktur werden Szenen erarbeitet, die mit bestimmten Berufswelten zu tun haben. Nachmittags werden die gezielten Beobachtungsaufgaben in bestimmten Berufsfeldern überprüft.
  3.  Tag  Theaterstück wird fertig gestellt und aufgeführt

Die Spielwerkstatt Rhinozeros könnte viele weitere dreitägige Programme zur Berufsorientierung für die Jahrgangsstufe 5 und 6 ausarbeiten, durchführen oder Material erstellen, bzw. Multiplikatoren ausbilden.

Beispiele für die Jahrgangsstufen 7 und 8:

Strukturen der Berufswelt

Ausstellung – Berufe in „……….“

  1. Tag:  Kurze Einführung in der Schule und Reportageteams vorbereiten und einteilen, anschließend Betriebsbesuche in ausgewählten Betrieben
  2. Tag: Betriebsbesuche in ausgewählten Betrieben in Kleingruppen, nachmittags Zusammentragen der Interviews und Entwicklung der Fotos, Herstellung einer Ausstellung
  3. Tag: Herstellung einer Ausstellung über den Betriebe und Strukturen der Arbeitswelt in  Kleingruppen (Wandzeitung) in der Schule mit gemeinsamer Präsentation der Ausstellung.

Weitere, ähnlich strukturierte mediale Präsentationen wie Skulpturenpark, Videoclips, Diashow usw. sind machbar. In den Klassen 7 und 8 steigt das Interesse an medialen Produktionen, dieses sollte genutzt werden. Wichtig dabei ist aus pädagogischer Sicht die strukturierte Recherche in der Berufswelt. Die Spielwerkstatt Rhinozeros könnte viele weitere dreitägige medienpädagogische Programme zur Berufsorientierung für die Jahrgangsstufe 7 und 8 ausarbeiten, durchführen oder Material erstellen, bzw. Multiplikatoren ausbilden.

Beispiele für die Jahrgangsstufen 9 und 10:

Aufbau von Strukturen für Praktika in der Wirtschaft

Obligatorisch ist ein dreiwöchiges gelenktes Praktikum in einem Betrieb in Verantwortung der Schule. Hinzu kämen:

  • Auszubildende „leiten“ Übungsfirmen und betreuen hier Praktikanten
  • Patenschaften zwischen Schulen und Betrieben, gemeinsame Produktionen
  • Besuch von Berufsorientierten Museen
  • zweitägige Planrollenspiele

Die Spielwerkstatt Rhinozeros könnte Programme zur Berufsorientierung für die Jahrgangsstufe 9 und 10 ausarbeiten, durchführen oder Material erstellen, bzw. Multiplikatoren ausbilden. Beispiele: Planrollenspiele, Produkte für Übungsfirmen und Patenschaften vorbereiten usw.

Besonders  für Kinder im Grundschulalter und  den ersten Jahrgängen im Sek. 1 ist das Projekt Spielstadt geeignet

Überblick

geöffnet jeweils von 10.00Uhr bis 16.00 Uhr

Kinder:

Jeden Tag machten zwischen 80  bis  150 Kinder mit

Dies geschieht in Spiel und Aktionsinseln (Gewerken) und „Pufferaktivitäten“ (Feste, Sport, Zirkus, Versammlungen, Pausen usw.)

MitarbeiterInnnen: Mindestens 20 Personen der SJD Die Falken Unterbezirk Gelsenkirchen, und der Spielwerkstadt Rhinozeros Essen, dazu noch Mitarbeiter bei Aufbau und Abbau und Koordination

Pädagogischer Hintergrund:

Was ist eine Spielstadt?

Ein Ort in dem Kinder (Schwerpunkt Grundschulalter), das Leben in einer Stadt handfest erleben können. Die Erwachsenen stellen ihnen einen räumlichen und organisatorischen Rahmen ihn denen die Kinder „Stadt“ spielen. Dieser Rahmen ermöglicht es Ihnen, sich nach den eigenen Interessen zu organisieren und mit den Notwendigkeiten einer „Kommune – Gemeinwesen“ und den einzelnen „Gewerken –Berufen“ spielerisch handelnd auseinander zu setzen. Wenn der Rahmen steht greifen die Erwachsenen nur wenig steuernd ein, die Aufgabe in einer Stadt zu leben und zu arbeiten wirkt für sich und hat für die Kinder eine hohe motivierende Komponente. Spielstädte haben, im Kontrast zu schulischen Lernen einen hohen Freiheitsgrad, man ist „Schreinerin“ oder „Müllmann“, wenn man es will und Bürgermeister, wenn man gewählt wird

Warum Spielstädte?

Die aktive Beteiligung der Kinder an den, sie betreffenden Dingen  wird heute kaum noch in Frage gestellt. Soll Partizipation nicht vordergründig bleiben und pseudowirkungsvoll sein, müssen Kinder die Notwendigkeit, Strukturen, Mechanismen und Wirkungsweisen demokratischer Organe, Einrichtungen, Berufe, Ämter etc. kennen und begreifen (bitte wörtlich nehmen) und mit ihnen umzugehen lernen. Besonders für Kinder aus „sozial schwachen“ Wohngebieten und ausländische Kinder bedürfen einer besonders handlungsorientierte und spielerischen Einführung und Motivation. Auf dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung der letzten 100 Jahre mit dem Aufstieg und Niedergang des Kohlebergbaus und der Montanindustrie hat sich in Gelsenkirchen eine sehr bunte Bevölkerungsmischung mit vielen kulturellen und sozialen Unterschieden herausgebildet. Diese sind im Ruhrgebiet und besonders in Gelsenkirchen sehr groß.  Wie trotz hoher Arbeitslosigkeit und industriellen Wandel ein gemeinsames Leben miteinander immer wieder neu möglich wird sollen die Kinder spielerisch erleben.

Ziele:

  • Das Funktionieren eines Gemeinwesens erleben und begreifen, selbst handelnd erproben
  • Weitgehend selbstorganisiert handeln
  • Ein Stück Geschichte mitten im Ruhrgebiet erleben
  • Die Frage nach Gemeinsamkeiten, Traditionen, Bräuchen, gesellschaftlichen Strömungen spielerisch stellen und Antworten herausfinden
  • Die Wichtigkeit des Bergbaus und der Montanindustrie und neuer Berufe und Entwicklungen für die Geschichte Gelsenkirchens erkennen
  • Gemeinsamkeiten und Bindungen, trotz Unterschiede im Alltag wieder neu erfinden.

Arbeitsweise:

In einer „Spielstadt“ erleben die Kinder:

  • Arbeit, Geld verdienen, Steuern zahlen und Konsum
  • Selbstorganisiert und selbstverantwortlich Handeln
  • Demokratie bei Wahlen, Abstimmungen und Gremienarbeit
  • Wie und warum eine Stadt funktioniert und welche Mühe es kostet, für alle die größtmögliche Zufriedenheit zu erreichen
  • Lebendige Geschichte erleben
  • Freizeitgestaltung, Bräuche, Wohnumfeld, Berufe spielend erkennen
  • Kreative und lustvolle „Zukunftsplanung“

Das Programm einer Spielstadt

Die interessierten Kinder melden sich in „ihrer“ Stadt an, erhalten die notwendigen „Bürgerpapiere“ und Arbeitserlaubnisse, suchen sich eine Arbeitsstelle oder gründen selbständig eine Unternehmen, arbeiten und konsumieren, zahlen Steuern und Abgaben, wählen u.a. ihren Stadtrat, entscheiden bei Versammlungen die notwendigen Maßnahmen, feiern gemeinsam, treiben Sport, besuchen kulturelle Veranstaltungen, arbeiten in Werkstätten, spielen Theater, beschäftigen sich mit unterschiedlichen Sprachen und Kulturen, lernen das Leben in einer „Siedlung“ hautnah kennen etc.

Ein Team aus Honorarkräften und Ehrenamtlichen organisiert die Grundstrukturen, stellt  Spielräume bereit,  motiviert zu Spielprogrammen in denen die Kinder sich bewegen und begleiten das ansonsten eigendynamische „Spiel“ der Kinder durch sparsame Impulsgebung und Lenkung

Aktionsinseln Gewerke:

Verwaltung und Stadtrat

Rathaus: organisiert das Stadtleben.

  • Ordnungs- und Einwohnermeldeamt  Anlauf‑ und Infostelle für Kinder
  • Jobcenter  vermittelt und steuert  die Arbeit der Kinder
  • Bar – Eisdiele – Bäckerei: sorgt für besondere Verpflegung
  • Kiosk: Verkauf von Kleinigkeiten und Getränke
  •  Bank und Finanzamt: steuert den Geldfluss
  • Kantine Küche: sorgt für Verpflegung
  • Krankenstation Apotheke: Ambulante und stationäre Behandlung und, Beratung
  • Post: verteilt Briefe und Pakete
  • Verkehr Taxi:  Transport von Personen und Materialien, Kurierdienste,
  • Müllabfuhr Müllverwertung Stadtreinigung: hält die Stadt sauber
  • Zeitung:  Herstellung und Verkauf  der Lokalzeitung
  • Medienzentrum produziert Filme und Radiosendungen
  •  Frisör Schönheitsfarm  frisieren und vieles mehr,
  •  Waschküche  Waschen wie in Omas Zeiten
  • Theater: Schatten- und Menschentheater
  • Kunstwerkstatt überwiegend Malerei
  •  Sporthalle: Zirkus und Betriebssport
  • Werbeagentur Druckerei: Druck von Flyer und Formularen
  • Bergbau Krötenpütt
  • Solarwerkstätten. Herstellung von Produkten mit Solarantrieb
  • Dekorationswerkstatt Spielzeugfabrik Herstellung von Spielzeug  und Dekoartickeln
  • Schreinerei: Holzarbeiten
  • Schneidereien Kleidung und andere Textilien produzieren
  • Schmiede Maschinenfabrik Schmiede und Schlosserarbeiten
  •  Fahrzeugwergstatt: Bau/Reparatur von Taxis aus großen Einkaufswagen
  • Gärtnerei: Stadtbegrü­nung
  • Maurerwerkstatt: Mauern und Verputzen
  • Erfinderwerkstatt, Raketen bauen und starten, weitere Geräte konstruieren und bauen.
  • Schmuck oder Instrumentewerkstatt Herstellung von Schmuck oder Musikinstrumente
  • Musik und Filmstudio Herstellung von kleinen Filmen

Beispiel:

Spielstädte in Gelsenkirchen

Die SJD Die Falken UB Gelsenkirchen organisieren  eine Spielstadt vor Ort.

Viele Kinder waren bei jeder Spielstadt dabei, viele Gruppen haben die Spielstadt auch an einzelnen Tagen besucht es gab an jeden Tag ein fruchtbares Zusammentreffen von „Neuligen“ und „Alteingesessenen“. Sehr bemerkenswert ist die Tatsache, dass nie eine „Polizei“ notwendig war. Die Dienste des Ordnungsamtes reichten immer aus. Die Kinder konzentrierten sich ohne starke lenkende Eingriffe der Erwachsenen auf ihre selbst gewählten Aufgaben. Allerdings sorgten die Mitarbeiter immer für „Vollbeschäftigung“.

Wichtig sind dabei auch eine Vielfalt der „Spielinseln“ und eine konkrete, Altersangemessene, überschaubare Tätigkeit.

Kulturell- und Bildungsbedingte Unterschiede bei den Kindern spielten für die pädagogischen Mitarbeiter erstaunlich  wenig eine Rolle. Die Kinder unternahmen solche integrativen Aufgaben selbstständig, Ausgrenzungen fanden nicht statt, man hatte wichtige Aufgaben zu lösen. Es ist wichtig zu bemerken, dass die äußerst positiven Lernauswirkungen bei den Kindern besonders durch die Mischung zwischen unterschiedlichen Kindern und dem differenzierten Programmangebot einer Spielstadt entstehen.

Hier wäre eine Möglichkeit außerhalb der Ferienzeit als Projektwochenangebot für Kinder aus Schulen (Klasse 1 – 6) sehr zu empfehlen.

Weitere Infos:

http://www.unperfekthaus.de/projekte/spielwerkstatt-rhinozeros

Kinder Kultur Werkstatt Raum 306

http://www.unperfekthaus.de/projekte/kinder-kultur-werkstatt

Regelmäßige Fortbildungsberatung, Kontakt und Information: Di. 18.00 Uhr

Mach mit bei der Fragebogenaktion ORTE DER KINDHEIT

 http://www.unperfekthaus.de/projekte/bort/Fragebogen%20Orte%20der%20Kindheit-1.pdf

Spielwerkstatt Rhinozeros – Wolfgang Bort   Essen   Tel. 0174 73 54 34 7
http://www.kulturorte.de/

www.kultur-kinder.de

Email: wolfgang.bort@web.de

Rhinozeros im Unperfekthaus
Friedrich Ebertstr.18-20 45127 Essen Mitte
www.unperfekthaus.de

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Über Wolfgang Bort

Mitarbeiter der Spielwerkstatt Rhinozeros betreibt im Essener Unperfekthaus eine Kinder Kultur Werkstatt
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